Führerschein-Reform:

Motorbootfahrer sollen segeln lernen! – April, April!

Motorbootfahrer oder Segler-Versteher? Nee, keine Sorge, alles gelogen. Einen Entwurf zu einer Reform im Führerscheinwesen, bei der die Prüfungsinhalte für Segler des Sportbootführerscheins Binnen bald verpflichtend für alle gelten sollen, gibt's nicht. Hier nochmal der ganze Artikel zum schmunzeln mit ein paar Anmerkungen der Redaktion

Herbert Martens, 2. Vorsitzender vom Motorbootclub Eichholz ist sauer (und außerdem gibt es ihn gar nicht – den Verein übrigens auch nicht): „Erst der Ausfall durch Corona, nun diese sogenannte Reform, die völlig an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht…“. Seit Jahren leitet Martens die Ausbildung der Führerscheinanwärter im Verein.

Martens deutet auf die spiegelglatte Wakenitz (Ein idyllischen Flüsschen, das vom Ratzeburger See bis nach Lübeck fließt und das gar keine Bundeswasserstraße ist) vor der Einfahrt des Vereinshafens und erklärt: „Wir sind hier in der Windabdeckung der Uferwälder. Zudem begrenzt eine niedrige Eisenbahnbrücke das Revier. Eine seriöse Segelausbildung könnten wir hier gar nicht durchführen. (Segeln kann man an seinem “toten Ende” In Lübeck und auf einem Teilstück in Höhe des Stadtteils Eichholz mit Jollen übrigens durchaus.) Wir müssten die praktische Ausbildung einstellen und das würde auch bedeuten, dass uns der wichtige Nachwuchs wegbricht, den wir durch die Ausbildung gewinnen…“

Zahlreiche Binnenreviere, wie hier der Elbe-Lübeck-Kanal, sind für den Segelsport völlig ungeeignet. (Foto: C. Schneider)

Aufteilung “Motor” und “Segel” soll entfallen.

Bisher konnten sich die Anwärter für den Sportbootführerschein Binnen aussuchen, ob sie ihn nur für die Fahrt mit Motorfahrzeugen oder zusätzlich auch mit entsprechenden weiteren Ausbildungs- und Prüfungsinhalten für die Erlaubnis, Fahrzeuge unter Segeln zu führen, erwerben möchten. Für zahlreiche Flusschipper und Binnenfahrer eine Frage, die sich schon aufgrund der Reviergegebenheiten mit engen Fahrwassern, wenig Wind, niedrigen Brücken o.ä. gar nicht stellte.
(Eben – und deswegen bleibts auch dabei) Diese Aufteilung soll nun entfallen, “segeln” soll fester Bestandteil des Führerscheins werden.(NEIN!)

Initiative segelnder Ministeriums-Mitarbeiter

Schnell fahren macht Spaß und darf auch mal sein! Doch wer Gas geben will, muss Ufer- und Badezonen meiden und vorausschauend fahren. (Foto: C. Schneider)

Auslöser einer Bundesratsinitiative zu der Reform soll ein segelnder Ministerialdirigent samt Crew aus dem Verkehrsministerium eines süddeutschen Bundeslandes gewesen sein, dessen sicher geglaubter Regattasieg, während einer Regatta vereitelt wurde. Eine große Motoryacht soll den Kurs der Segler in geringem Abstand gekreuzt haben, die Segelyacht stampfte sich in der Heckwelle fest und verlor an Fahrt. Der Konkurrent zog davon und die Wut der Segler war groß.
(Zugegebener Maßen eine Situation, die manch ein Segler sicher schon erlebt hat – sorry, dumm gelaufen.)

Im Hafen zur Rede gestellt, war die Verwunderung des Motorboot-Skippers nicht geringer, denn der war sich keiner Schuld bewusst. Man habe doch noch Kurs geändert, sei brav ausgewichen, na und ein bisschen Welle müsste ein tüchtiger Segler doch wohl vertragen? Es fehlte schlicht am Verständnis für den Ärger der Segler. (Gehirn einschalten und auch mal nach hinten gucken, Sportsfreunde – es muss ja nicht sein, dass andere Wassersportler ihre “Tüchtigkeit” in unseren Heckwellen beweisen müssen, oder?)

„Das soll sich ändern!“ beschloss die um den Sieg gebrachte Regattacrew und begann mit politischer Lobbyarbeit im eigenen Ministerium.

Klima-Diskussion unterstützt die Reform

Was als „Fördermaßnahme des Verständnisses für andere Verkehrsteilnehmer“ anfangs vielleicht noch eine augenzwinkernde Komponente hatte, nahm bald politisch Fahrt auf, als die Klima-Debatte mit dem Vorhaben verwoben wurde. „Es könne ja sein…“ so die in der Diskussion engagierte Landtagsabgeordnete und Seglerin Mechthild Hübenkamp, „…,dass Mancher, der eigentlich Motorboot fahren wollte, über die Ausbildung stattdessen an den Segelsport herangeführt wird, was wiederum dem Klimaschutz zugutekommen würde.“ Hübenkamp wirbt daher für Unterstützung der Reform aus Gründen des Klimaschutzes.
(Frau Hübenkamp gibts nicht und das Klimaschutzargument ist natürlich an den Haaren herbeigezogen)

Nachschulung für Führerschein-Inhaber geplant

Die meisten Binnenskipper fahren rücksichtsvoll und vermeiden Sog und Wellenschlag (Foto: Jan Maas)

Doch es kommt noch dicker: Zug um Zug sollen auch die, die bereits im Besitz eines gültigen Führerscheins sind, im Rahmen einer Nachschulung Segelkenntnisse erwerben. Zwar ist nicht geplant, dass diese nochmal den Umgang mit Schot und Pinne in der Praxis lernen sollen, doch im Rahmen von div. Theoriestunden in Wassersport-Fahrschulen und anhand von Lehrfilmen, soll die Sensibilität für die Befindlichkeiten der Segler gestärkt werden.
(Da kocht die Motorbootfahrer-Seele – locker bleiben, April, April – alles Quatsch ;-)…)

Segler sind in diesem Zusammenhang aufgerufen, eventuell vorhandenes Videomaterial von entsprechenden Begegnungen mit Motorbooten zur Verfügung zu stellen, sodass Anschauungsmaterial daraus erstellt werden kann. (Wer glaubt, hier “Beweismaterial” zu haben, darf es gerne an die Redaktion von MotorBoot Online schicken – vielleicht machen wir was Nettes draus!)

Förderung von E-Mobilität auf dem wasser

Boote mit Elektro-Motor sollen weiterhin mit dem reinen Motorboot-Führerschein geführt werden dürfen. (Foto: C. Schneider)

Immerhin – der Reformvorschlag sieht nicht vor, alle Motorbootfahrer verpflichtend gegen Ihren Willen zu Seglern zu machen.

„Um die alternative Mobilität auf dem Wasser zu fördern, wollen wir es den Wassersportlern ermöglichen, über den einfachen Motorboot-Führerschein auf jeden Fall die Berechtigung zu haben, Boote mit elektrischem Antrieb zu führen“, erläutert der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Alternative Mobilität auf Deutschlands Gewässern“ des deutschen Bundestages, Heinz-Werner Dinkel gegenüber einer Anfrage von Motorboot-Online.
(Weder stimmt das alles, noch sind Herr Dinkel oder aber ein solcher Ausschuss existent.)

„Das funktioniert auf den Bayerischen Seen schon seit vielen Jahren sehr gut“, ergänzt Dinkel. Auf den sog. “Green Lakes” in Bayern haben Boote mit E-Antrieb Vorrang vor Verbrennern. (Aber nur bei der Zulassung zur Nutzung auf dem See und nicht in Punkto Führerschein)

Lernen auch für Segler?

Auch Segler müssen ab und an motoren – trotzdem fehlt manchen das Verständnis für die Motorbootfahrer (Foto: K. Köckeritz)

Joachim Zinke, Vorsitzender der WSG Powerboat-Friends Goslar (na klar – der Harz ist ja eines der bekanntesten Motorboot-Reviere Deutschlands, oder? ;-)…), sieht das Vorhaben kritisch, ist der Reform gegenüber aber nicht grundsätzlich abgeneigt: „Voneinander lernen, um sich besser zu verstehen, ist ein guter Ansatz. Wir würden das unterstützen, wenn auch jeder Segler eine bestimmte Anzahl an Fahrstunden nachweisen kann, in denen er Geschwindigkeiten mit einem Motorboot von über 40 km/h erreicht hat. Das fördert das Verständnis auch für den Spaß am Speed und kann auch in Kooperation mit den Motorboot-Vereinen simpel nachgeschult werden. Im Seebereich, könnte man das auf 30 Knoten bzw. ca. 60 km/h ausdehnen!“ (hi, hi…zugegebener Maßen hat der Gedanke aus Motorbootfahrer-Sicht einen gewissen Charme…)

Kein bloßes Lippenbekenntnis, denn Zinke will für die ersten fünf Ausbildungsfahrten im Verein sein eigenes Sportboot zur Verfügung stellen und auch die Brennstoffrechnung übernehmen. (sehr großzügig!)

Ein Ansinnen, das von Mechthild Hübenkamp allerdings strikt abgelehnt wird: „Das erhöht den Ausstoß an klimaschädlichen Abgasen und am Ende bemerken eigentlich klimafreundliche Segler wohlmöglich noch, dass Motorboot fahren auch Spaß machen kann! Das sollte unbedingt verhindert werden!“ (Spaßbremsen dürfen auch gerne an Land bleiben.)

„Das Ganze ist eine völlige Schnappsidee!“ poltert Alois Hintermeier, Vorsitzender des MBC Nieder-Ellerbeck, und meint das wörtlich: „Die haben die Regatta damals nur verloren, weil an Bord alle hackevoll waren…“, so Hintermeier und bezieht sich auf angebliche, brisante Insider-Infos. (Die Redaktion tritt hiermit der Behauptung entschieden entgegen, das beim Verfassen dieses Artikels Alkohol im Spiel gewesen sein soll!…”

Motoryachtverbände sind alarmiert

„Wir werden alles tun, damit diese Reform so nicht beschlossen wird“, stellt Klaus Michael Weber, Präsident des Bayerischen Motoryachtverbands und Vorsitzender des Verbandsrats der Landesverbände und des Präsidiums des Deutschen Motoryachtverbands klar und will diesen Punkt auf der nächsten Verbandsratssitzung auf die Tagesordnung setzen. (Der Präsident des BMYV war eingeweiht und hat den Scherz mit einem – natürlich gefakten – Zitat sofort gerne und schmunzelnd unterstützt)

Herbert Martens, den 2. Vorsitzenden des MBC Eicholz hat er dabei auf seiner Seite:“ Das Beste wäre, es bleibt alles wie es ist. Der eine segelt eben und der andere motort. Das Wichtigste ist doch, dass man abends einen kleinen Hafen anläuft, mit der Familie oder mit Freunden vielleicht den Grill anwirft und seinen Frieden und seinen Spaß hat. Wie man dann dahin gekommen ist, ist doch eigentlich egal.“ So ist es! Und daher plädieren wir für ein kameradschaftliches und rücksichtsvolles Miteinander auf dem Wasser!