Leistungsschau:

Die stärksten Außenborder

Außenbordmotoren als Bootsantriebe liegen voll im Trend. Doch welcher Hersteller liefert am meisten Power, und ist vielleicht in mancher Hinsicht „weniger“ sogar mehr, und gilt bei allen Herstellern immer nur höher, schneller, weiter? Wir geben eine Übersicht über die Top-Motoren und Antriebe der bekanntesten Hersteller und noch ein paar Extras, die es verdient haben, erwähnt zu werden.

Die Gründe, weshalb Außenborder derzeit bei der Motorisierung auch großer Boote im Trend liegen, sind vielfältig: Mehr Platz an Bord, da die Motoren im Schiff selbst keinen Platz benötigen, einfaches Anlaufen auch flacher Buchten mit hochgetrimmten Motoren, schnelle Demontage und einfacher Zugang für Wartung und Reparatur, kein Problem mit Bewuchs und Korrosion am Prop und am Antrieb, da die Außenbord-Motoren in Ruhestellung hochgefahren werden und last but not least: Showtime und Schaulaufen im Hafen, der Ankerbucht und am Liegeplatz. “Mann” kann zeigen was man hat – und Frau natürlich auch. Die prominent angebrachte Zahl auf der Motorhaube gibt traditionell Auskunft über die Leistungsklasse in PS und das auch gerne in mehrfacher Ausführung.

…zeigen was “Mann” hat – Hier: Yamaha V8 425 XTO Offshore als Tripple Installation an einer Capelli 44 (Foto: Yamaha)

Natürlich gibt’s auch hier unter den Herstellern ein fleißiges Leistungs-Wettrüsten, denn ein großes Außenborder-Topmodell im Programm strahlt auch auf die kleineren Modelle herab und stärkt die Bekanntheit der Marke. Allerdings beteiligen sich nicht alle daran, und manch ein Hersteller beschränkt sich (bis jetzt) auf die Entwicklung solider Technik im mittleren Leistungsbereich, in dem das Prestige vielleicht geringer ist, aber die Stückzahl größer.

Tohatsu

Mehr Dampf durch einen neuen Auspuffkrümmer: Der Tohatsu MFS 115 kratzt gefühlt an der nächsten Leistungsklasse.

Mit 115 PS macht der Tohatsu MFS 115 in der Leistungsschau der „dicken Brummer“ am Heck nominell auf den ersten Blick vielleicht nicht viel her, doch trotzdem ist er einer der Außenbord-Motoren, die hier eine Erwähnung verdienen. Zum ersten ist es der leistungsstärkste Motor – zumindest was die aktuellen Eigen-Entwicklungen aus dem Hause Tohatsu betreffen. Der Hersteller gilt als der größte Außenbord-Kleinmotorenhersteller weltweit, bohrt das Programm der Motoren aus eigener Entwicklung gerade kräftig auf und arbeitet bei den großen Motoren mit der Firma Honda zusammen. Ein MFS 140 Außenborder hatte gerade Weltpremiere in Japan und wird ab der Saison 2022 in Europa verfügbar sein. Die neuen Modelle punkten u.a. mit einem neu gestalteten Abgaskrümmer, der satten Schub im unteren und mittleren Drehzahlbereich liefert, wie sich auch die Redaktion im Fahrtest in der Ausgabe 05/2021 des MotorBoot-Magazins überzeugen konnte.

Honda

Honda BF250
Kraftvoll, sanft und leise: Der Honda BF250

Auch der Honda BF 250 markiert noch nicht das Ende der Fahnenstange in Bezug auf die maximal zur Verfügung stehende Leistung eines Außenborders, ist aber bei diesem Hersteller das stärkste „Pferd im Stall“. Und eines, das mit Qualitäten punkten kann: Der 3,6 Liter V6 Außenbord-Motor erfüllt die hohen Anforderungen der US-Coast Guard und kann mit allerlei technischen Raffinessen überzeugen, die der größte Motorenhersteller der Welt z.B. auch in seinen Automobilmotoren einsetzt. Der Silberpfeil am Heck liefert satten Durchzug und einen besonders seidenweichen Lauf ohne Vibrationen, sodass auch hohe Geschwindigkeiten angenehm zu fahren sind. Wusstet ihr, dass Honda der erste Hersteller war, der schon 1964 den ersten Viertakt-Außenborder auf den Markt brachte und zu einer Zeit, als Außenborder anderer Hersteller noch im Zweitakt liefen, schon voll auf die Viertakt-Technik setzte?

Torqeedo

Es muss nicht immer Sprit sein: Wo die Anwendung und das Konzept passt, ist der Torqeedo Deep Blue 50 eine saubere Alternative. Foto: Torqeedo

50kw? Wie jetzt? In der Aufzählung der leistungsstärksten Außenborder? JA! Der Torqeedo Deep Blue 50 ist der leistungsstärkste elektrisch betriebene Außenborder und sollte daher in dieser Hitliste nicht fehlen. Als erstes und bisher einziges elektrisches Hochleistungsantriebs-System für Motorboote aus industrieller Fertigung liefert Deep Blue eine außergewöhnliche Performance, hohe Sicherheitsstandards und einfache Bedienbarkeit. Dabei bilden Motor, Energieversorgung und Monitoring ein voll integriertes Gesamtsystem, dessen Komponenten lückenlos aufeinander abgestimmt sind und perfekt für den Einsatz auf dem Wasser ausgerichtet wurden. Mit einem Leistungsäquivalent zu einem 80 PS Verbrenner liefert der Torqeedo Deep Blue 50 genug Power für mittelgroße RIBS, und kleine Sport- oder Arbeitsboote und hat zumindest in der Kategorie „elektrische Außenbordantriebe“ unangefochten die Leistungs-Krone auf.

COX

Druck durch Diesel-Power, der CXO300 ist zudem sauber und sparsam.

Der Cox CXO300 ist das stärkste Modell des britischen Außenbordmotoren-Herstellers Cox – und das derzeit einzige. Doch der 300 PS Bolide ist etwas Besonderes: Er wird mit Diesel-Kraftstoff betrieben! Zudem ist der CXO300 der derzeit stärkste Diesel-Außenborder in einem allerdings übersichtlichen Umfeld weiterer Hersteller in diesem Segment. Der 60 Grad V8 Bi-Turbo Diesel ist zudem der derzeit stärkste Außenborder, der die Abgaskriterien der strengen Bodensee Abgasverordnung (BSO) einhält. Mit einem Gewicht von 393 kg ist er zwar schwerer und zudem preislich deutlich teurer als die Benzin-betriebenen Leistungs-Äquivalente anderer Hersteller, dürfte aber in Sachen Drehmoment, Kraftstoffverbrauch und Langlebigkeit punkten und bietet sich damit als Außenbordmotorisierung von größeren Kreuzeryachten, gewerblich betriebenen Booten, Behördenfahrzeugen oder Tendern von Großyachten an.

Suzuki

Duoprop, doppelte Einspritzung: Mit dem Suzuki DF350A am Heck brennt auch auf dem Ponton-Boot die Hütte!

Mit dem Suzuki DF 350 A positionierte sich der japanische Hersteller im Jahr 2017 vollends im Premium-Segment der großen und besonders leistungsstarken Außenborder. Der 4,4 Liter V6 Motor mit 24 Ventilen und variabler Ventilsteuerung konnte bei seiner Premiere besonders mit brachialer Beschleunigung und exzellenten Durchzugswerten überzeugen. „Schuld“ daran ist neben dem großen Hubraum nicht zuletzt ein ausgeklügeltes gegenläufiges Duoprop-System, das hier bei einem Außenborder zum ersten Mal eingesetzt wurde. Einige Monate später präsentierte der Hersteller noch einen etwas leistungsreduzierten 325 PS Außenbord-Motor auf derselben Basis, der etwas geringer verdichtet und damit auch für Märkte geeignet ist, in denen nicht immer Benzin mit 95 Oktan und mehr verfügbar ist. Und auch die neuen Suzuki DF 300 B wurden im Zuge der Modellerneuerung mit dem neuen Duoprop-System ausgestattet.

Yamaha

Motto: Drehmoment! Der Yamaha V8 XTO Offshore bolzt auch schwere Boote durch die See.

Mit den Worten: „Vergessen Sie mal das Thema Motorleistung – sprechen wir doch mal über Drehmoment….“ läutete der Europa-Chef von Yamaha Motor die Pressekonferenz zur Premiere des neuen Yamaha-Außenborder-Aggregats im September 2018 in Cannes ein. Und davon gibt es reichlich: Acht Zylinder, doppelte obenliegende Nockenwelle, 32 Ventile und 5,6 Liter Hubraum liefern 425 PS UND sattes Drehmoment.

Mit dem Yamaha V8 XTO 425 Offshore ist die „Vollfett-Stufe“ des Leistungsspektrums der Außenbord-Motoren erreicht. Neben zahlreichen Weiterentwicklungen im Motorenbau und erhöhten Ansprüchen an Qualität und Lebensdauer, ist es u.a. das innovative, integrierte elektrische Lenksystem, das die Installation hydraulischer Leitungen, Zylinder und Pumpen überflüssig macht, das Aufsehen erregte und eine echte Neuheit im Bereich der technischen Peripherie der Außenborder darstellt. Einige Monate später stellte der Hersteller mit dem V8 375 XTO Offshore ein weiteres Modell auf derselben Basis vor.

Mercury

V8, 4,6 Liter, Kompressor – Der Mercury 450 Racing bringt Rennboote auf Speed.
Mercury V12/ 600 PS – Mehr geht derzeit nicht am Heckspiegel der Boote und Yachten.

Mit der neuen Mercury Verado-Baureihe bietet der 450R einen 4,6-Liter-V8-Viertakt-Außenbord-Motor – aufgeladen von einem Mercury Racing-Kompressor, der eine Spitzenleistung von 450 PS an der Propellerwelle und 40 Prozent mehr Drehmoment als der Vorgänger, der 400R mit 2,6 Litern Hubraum erzeugt.

Doch damit nicht genug: Mit einem 7,6 Liter V12 Motor mit 600 PS setzt sich der amerikanische Hersteller unangefochten an die Spitze dessen, was in Sachen Leistung, Größe und technischer Umsetzung aktuell im Außenbordmotoren-Bau angesagt ist. Vier Nockenwellen, Duoprop, ein separat lenkbares Getriebeteil und ein Zwei-Gang Automatik-Getriebe ermöglichen es unter anderem, so ein Aggregat ans Heck großer Boote bolzen zu können und derart geballte Kraft ins Wasser zu bringen.

Es war einmal…

Leider wurde die Produktion der beiden Außenbord-Motoren, die wir Ihnen hier noch vorstellen wollen, vor einiger Zeit eingestellt. Technisch und in Sachen Leistung waren sie aber ganz vorne mit dabei, von daher wollen wir Sie Ihnen nicht unterschlagen:

Evinrude

Bunt, zweitakt, sparsam, durchzugsstark. Am Ende konnte sich die älteste Außenborder-Marke der Welt nicht mehr durchsetzen. Das Aus kam 113 Jahre nach der Gründung im Jahr 2020

Mit der E-TEC G2 Motoren-Serie wagte die über 100 Jahre alte Traditions-Marke Evinrude unter dem Dach des BRP-Konzerns einen Neustart dessen, was eigentlich längst der Vergangenheit zugeordnet wurde: Dem Zweitakt-Prinzip. Natürlich nicht Opas ölender Stinker, sondern unter neuen Vorzeichen und technisch auf dem aller neuesten Stand. Zweitakter mit computergesteuerter Direkteinspritzung lautete die Zauberformel, aus der der Hersteller beim E-TEC G2 bis zu 300 PS erzeugte. Das heißt, dass eine exakt bemessene Menge Kraftstoff/Öl direkt in den Zylinder eingespritzt wird. Das computergesteuerte Kraftstoffeinspritzsystem sorgt dabei für einen erstaunlich geringen Kraftstoffverbrauch und ein hervorragendes Ansprechverhalten. Auch sollen die Emissionen laut Hersteller konkurrenzlos niedrig sein. Der zweitakt-typische rabiate Durchzug, lange Wartungsintervalle und einfache Pflege verbuchte Evinrude ebenfalls auf der Haben-Seite.

In der Tat konnte der Motor im Test am Heck einer XO 250 Open mit sattem Punch und sehr niedrigem Verbrauch überzeugen, nervte aber auch mit einer krawalligen Soundkulisse, die ebenfalls nicht ganz untypisch für Vertreter dieser Technologie ist. 2020 wurde die Produktion der Motoren eingestellt, die Ersatzteilversorgung und die Abwicklung von Garantiearbeiten soll aber gewährleistet sein. Über die deutsche Website werden die Motoren jedoch weiterhin angeboten. Nähere Auskünfte erteilen die offiziellen Händler.

Seven-Marine

Vier mal Power = 32 Zylinder/ 2508 PS- Der Seven Marine V8 mit 627 PS war der leistungsstärkste jemals in Serie gebaute Außenborder. 2021 war Schluss mit der Produktion. Foto: Seven Marine

Die bisher leistungsstärksten Außenborder wurden von dem US-amerikanischen Hersteller Seven-Marine produziert. Mit 557 und 627 PS Nennleistung waren die beiden V8-Motorenmodelle der Fima nicht nur sehr kräftig, sondern auch technisch sehr innovativ. Beide Motoren basierten auf einem General Motors Smallblock mit 6,2 Litern Hubraum und acht Zylindern in V-Anordnung. Im Gegensatz zu den üblichen aus Platzgründen einkreisgekühlten Außenborder-Konstruktionen verfügten sie über ein Zweikreis-Kühlsystem mit Wärmetauscher. Im Jahr 2017 wurde die 2010 von Rick Davis gegründete Firma vom schwedischen Motorenbauer Volvo Penta übernommen. 2018 erhielt das 627 PS starke Topmodell sogar die CE-Zertifizierung für den Eintritt in den europäischen Markt. Doch der schwedische Mutterkonzern besann sich anders: Zum Beginn des Jahres 2021 wurde die Produktion der Motoren eingestellt. Lt. Herstellerwebsite soll die Ersatzteilversorgung und die Abwicklung eventueller Garantiearbeiten für Bestandskunden jedoch weiterhin gesichert sein.