Volvo Penta DPI: Ausgeruckt

Es galt quasi als Naturgesetz, dass das Einrücken der Kupplung des Volvo Penta Aquamatic Getriebes mit einem deutlich vernehmbaren „Rabumms!“ und spürbarem Ruck von statten geht, wenn die Konus-Kupplung einrückte. Unter Umständen nahmen gerade leichte Boote spontaner und zügiger Fahrt auf, als es z.B. die Platzverhältnisse im Hafen und die Reaktionsgeschwindigkeit des Skippers am Fahrhebel erlaubten. Doch nun ist Schluss damit. Es hat sich Aus-„Rabummst“ und geruckt.

Mit der Vorstellung der neuen Motoren der D4 und D6 Baureihe nimmt Volvo Penta auch Veränderungen und Neuentwicklungen an den Antriebseinheiten vor. Während der IPS-Antriebsstrang Verbesserungen in Bezug auf Haltbarkeit und Zuverlässigkeit aufweist, ist es der neue DPI-Heckantrieb, der für spürbare Verbesserungen im Handling sorgt.

Hier ersetzt nun eine neue hydraulische Kupplung die bisherige mechanische Konus-Kupplung und sorgt für ein leises und sanftes Schalte. Damit nicht genug: Wie bisher schon beim IPS-Antrieb ermöglicht jetzt auch hier der „Low-Speed-Mode“ bei Standgasdrehzahl mit der Friktion der Kupplung zu arbeiten und diese sukzessive von 10 Prozent bis auf 100 Prozent zu steigern, bevor die Drehzahl erhöht wird. In der Praxis bedeutet das, dass sich auch leichte und leistungsstarke Boote besonders auf engem Raum sehr zielgenau und sanft exakt manövrieren lassen. Dabei gibt eine Anzeige genau Auskunft darüber, mit wieviel Prozent Friktion der Antrieb gerade arbeitet. So auch eine der Testyachten, eine Sargo 28, die mit einem neuen Volvo Penta D4-320 recht potent motorisiert ist.

Manövrieren im Low-Speed Mode: Die Yacht fährt bei Standgasdrehzahl von 700 U/min (1) jetzt 2,57 Knoten(2) bei 50 % Kupplungsdruck (3)

Mit zwei Motoren manövrieren kann jeder – umso spannender ist das Fahren mit einer Einzelmotorisierung. Hier wird der Unterschied zu den Vorgängerantrieben besonders deutlich. Kein rucken mehr, kein geräuschvolles Einkuppeln und vor allem keine spontane Fahrtaufname. Der „Low-Speed“ Modus lässt sich per Knopfdruck an der Konsole des Fahrhebels aktivieren. Sanft, quasi Zentimeter um Zentimeter, mit weichem Vor und Zurück Umsteuern, und zielgerichteten Lenkeinschlägen zirkeln  wir das Testboot im Volvo Penta Testcenter Krossholmen vor Göteborg an seinen Liegeplatz. Durch den Betrieb mit „schleifender“ Kupplung ist eine ideale Anpassung der Geschwindigkeit möglich. Schiebt man den Gashebel nach vorne (oder zurück) erhöht sich die Drehzahl erst einmal nicht, sondern bleibt auf Standgasniveau. Lediglich die Prozentanzeige auf dem Display gibt Auskunft darüber mit wieviel Prozent Kupplungsdruck jetzt manövriert wird. Erst mit dem Erreichen der 100 Prozent erhöht sich auch die Drehzahl, wenn noch mehr Gas gegeben wird. Dieser Low-Speed Mode ist dabei ohne zeitliche Begrenzung einsetzbar, da die Kupplung in Öl läuft und so keine Gefahr der Überhitzung und des Verschleißes besteht.

Auch bei den Volvo Penta DPI-Antrieben steht jetzt das volle Portfolio an Manövrier- und Fahrhilfen wie beim IPS-Antrieb zur Verfügung

Die hydraulische Kupplung in Verbindung mit elektrischer „Steer-by-Wire“ Steuerung, die jetzt auch beim neuen DPI Antrieb Standard ist, ermöglicht zudem eine verbesserte Nutzung des Joysticks. Der ist jetzt mit dem Autopiloten verbunden und dient nun nicht nur beim Manövrieren zur Steuerung der Yacht, sondern auch der Kurskorrektur bei hohen Geschwindigkeiten. Dafür wird der Autopilot aktiviert und das Schiff wird auf den gewünschten Kurs in der gewünschten Geschwindigkeit gebracht. Neigt man nun den Joystick, korrigiert man den im Autopilot vorgegebenen Kurs so um das gewünschte Maß, das Schiff folgt auch mit schneller Fahrt ein zu eins den Steuerbefehlen. Lässt man den Joystick wieder los, gilt der gewählte Kurs als neuer Kurs und die Yacht behält diesen bei. Wird der Joystick hingegen in seiner Längsachse gedreht, entspricht dies proportional einer Lenkraddrehung – d.h.: Ein voll eingeschlagener Joystick bedeutet hart Ruderlage! Das System reagiert hier ohne Zeitverzögerung, so dass in schneller Fahrt auch sehr schnelle und harte Kurskorrekturen z.B. bei Notmanövern möglich sind. Das macht auf einem guten, stabilen Schiff wie der Sargo 33 mit zweimal D4-320 Motoren zudem einen Mordsspaß, erfordert aber auch etwas Selbstbeherrschung am Stick, will man es sich mit dem Rest der Crew nicht verderben.

Die Sargo 33 mit Volvo Penta D4-320 DPI Doppelantrieb zeigte bei rauem Wasser wie gut es sich mit den Antrieben manövriert und fährt.

Der neue DPI-Antriebsstrang ist zudem auch mit dem dynamischen Positionierungssystem DPS ausgestattet, das den Kurs und die Position eines Bootes auch bei starken Strömungen oder Wind automatisch beibehält – ideal zur Vorbereitung aufs Anlegen oder z.B. auf Warteposition vor Schleusen. Hier ist natürlich eine Doppelmotorisierung notwendig. Auf Knopfdruck behält die Yacht nicht nur die Position, sondern selbst quer zur Welle auch präzise die gewählte Längsausrichtung bei. Die notwendigen Umsteuerungen der Getriebe sind dabei dank des neuen Antriebsstranges der Volvo Penta DPI Aquamatic nur noch sanft spürbar.

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