Bavaria SR41

Form und Funktion

Investoren, Geschäftsführung, Stardesigner Marco Casali aus Italien, Produktionsplaner, internationale Händler, die aus erster Hand über die Wünsche und Rückmeldungen der Kunden berichten konnten, u.v.a. diskutierten im Frühjahr 2019 auf einem Workshop durchaus kontrovers über die Weiterentwicklung der Bavaria-Yachten. Klar war lediglich: Zur boot Düsseldorf 2020 mussten die neuen Modelle fertig sein! Neukonzeption und -Konstruktion, detaillierte Anpassungen auf die Produktionsprozesse, Fertigung der Mockups und Modelle, Neubau der Laminier-Formen und Schablonen, Abstimmung mit Lieferanten und schließlich der Bau der Prototypen – ein enges Zeitfenster, aber mit dem neuen Elan machbar, wie Bavaria CEO Michael Müller überzeugt war. Er sollte recht behalten.
Bau des Prototypen der Bavaria SR41 (Foto: C. Schneider)

Für das Design konnte wieder Marco Casali von Too Design aus Italien gewonnen werden, der bereits bei früheren Projekten erfolgreich die Zeichenfeder führte. Mit dem Leiter der Produktentwicklung Norbert Leifeld und Produktmanager Siep Keizer aus Holland hatte man sich zudem zwei Persönlichkeiten ins Boot geholt, die einerseits von außen frischen Wind und neue Gedankenansätze mitbrachten, andererseits aber intime Kenner der Bavaria Werft waren. Leifeld war schon in früheren Jahren als Berater und Produktentwickler bei Bavaria tätig und hatte mit der erfolgreichen Sport 450 im Jahr 2014 sein Meisterstück abgeliefert. Der Holländer Siep Keizer, ein intimer Kenner der Branche, war lange Jahre als Yachtmakler tätig, kennt die Wünsche und Ansprüche der Kunden daher genau und ist „Vater“ und Namensgeber der Keizer 42, einer prächtigen 42 Fuß Open, die – genau! – bei Bavaria Yachtbau in Giebelstadt auf Bestellung gefertigt wird.

„Nicht viele haben geglaubt, dass wir es schaffen – aber wir haben es gemeinsam geschafft!“.

Bavaria CEO Michael Müller

So aufgestellt wurde erst einmal das Vorhandene analysiert. Mit der Sport -Linie legte die Werft im Jahr 2008 eine Motorboot-Modellreihe auf Kiel, die über die Jahre in ihren Entwicklungsstufen bis zu heutigen S-Baureihe „erwachsen“ wurde und nach wie vor erfolgreich ist, was auch die gut gefüllten Produktionsstraßen am Tag unseres Werftbesuchs zeigten. Einen Level höher ist die 2013 vorgestellte Virtess-Baureihe in der Modellpalette angesiedelt. 2016 läutete Bavaria dann mit der R40 die nächste Bootsgeneration ein.

Bestehende Konzepte werden diskutiert und weiterentwickelt (Foto: C. Schneider)

Norbert Leifeld weiß aus von seinen früheren Projekten bei Bavaria: „Bavaria-Yachten sind Familienboote. Sie sind konzipiert, um darauf Urlaub machen zu können. Die Kinder sollen mitkommen und sich an Bord wohl fühlen. Es soll Platz für alle da sein, es muss Rückzugsräume an Bord geben. Stauraum ist sehr wichtig, die Boote müssen funktional sein, leicht bedienbar und praktisch. Eine Bavaria ist ein solides, ehrliches Boot!“, stellt Leifeld fest. „Sie ist ein Familienschiff und kein Partyboot, sie ist ein sportlicher Cruiser aber kein Racer. Form bedeutet dabei nicht nur Design, sondern auch immer: Funktion“, so Leifeld und erklärt damit das Bavaria-Konzept so klar wie nur Wenige vor ihm.

“Form bedeutet auch immer Funktion”.


Norbert Leifeld, Leiter der Produktentwicklung

„Wenn ich so ein Boot zu einem adäquaten Preis anbieten will, muss ich es aber auch entsprechend effizient bauen können“, so Norbert Leihfeld. Das aber stieß mit bisher drei Modell-Linien allein im Motorbootbereich, sowie z.T. unterschiedlichen Produktionsverfahren an die Grenzen des Machbaren. Damit stand die Werft gleich vor mehreren Herausforderungen: Das neue Boot über innovative neue Lösungsansätze verfügen, die den Kunden überzeugen, ohne die Konstruktions-DNA der Bavaria-Yachten zu vernachlässigen.  Die Produktion sollte gestrafft werden und über möglichst fertigungsgerechte Bauteile und Bauverfahren, sowie eine weitgehende Teilegleichheit bei unterschiedlichen Modellen eine hohe Effizienz gewährleistet werden. Ein breites Angebot an Möglichkeiten für unterschiedliche Kundenanforderungen soll angeboten werden.

„Das Ergebnis ist die SR41 als erstes Modell einer neuen Baureihe, die eine Plattform für spätere zahlreiche Varianten sein soll“, erklärt Norbert Leifeld. Die Rumpflinien der bewährten S40 sollte die konstruktive Basis des neuen Modells bilden. „BMW-Designworks hat hier seinerzeit eine super Arbeit abgeliefert, der Rumpf läuft gut und effizient“, so Leifeld. Allerdings wurde nicht etwa einfach nur ein neues Konzept auf einem alten Rumpf gesetzt. Auch hier wurden Anpassungen vorgenommen und es wurde auch eine neue Form gebaut. Der Rumpf wird wieder im Handauflege-Verfahren mit Osmose-resistentem Vinylesterharz gebaut. Vakuuminfusion kommt dort zum Einsatz, wo es fertigungstechnisch sinnvoll ist, ggf. Topgewicht gespart werden kann o.ä. „Im Austausch mit den Bootsbauern in der Produktion hat sich gezeigt, dass dieses Verfahren für uns hier das praktikablere und effizientere ist“, erklärt Produktmanager Keizer.

„Keine `entweder- oder´ Konzepte, sondern `sowohl- als auch´ Lösungen“.


Siep Keizer, Produktmanager Motorboote

„Jetzt galt es, vorhandene Konzepte in Frage zu stellen und neu zu denken, um den Bootskunden zu überzeugen. Daraus entstand z.B. die Idee, auf einer 40 Fuß Yacht zwei Badezimmer anzubieten.“, so Siep Keizer und ist sicher: „Das bringt echten Komfortgewinn. Wir haben die Eignerkabine also Mittschiffs angeordnet, wo die volle Breite der Yacht zur Verfügung steht. Hier ist das Bad natürlich ensuite. Daneben gibt es vorne aber noch ein zweites Bad, das z.B. auch als Gästetoilette dienen kann, wenn Freunde an Bord sind.“ „Als der Vorschlag kam, fanden alle die Idee gut, hielten sie aber in dieser Bootsgröße nur mit zu vielen Kompromissen umsetzbar“, so Norbert Leifeld.  „Wir waren am Ende selbst überrascht, wie gut das funktioniert“, freut er sich und verweist zudem auf zwei große, geschickt ins Vordeck eingelassenen Oberlichter, die neben den seitlichen Fenstern im Rumpf für zusätzlich Tageslicht unter Deck sorgen, auf die voll ausgestattete Pantry und die Sitzgruppe im Salon z.B. für den morgendlichen Kaffee.

Die Eignerkammer liegt mitschiffs zwischen Motorraum und Pantry-Salon, 2 vollwertige Badezimmer erhöhen den Komfort für Crew und die Gäste. (Grafik Bavaria)

Aber auch an Deck wurden Konzepte neu entworfen. „Früher hatten wir eine große Sitzgruppe achtern, oder eine riesige Sonnenliege. Wir wollten keine `entweder- oder´ Konzepte, sondern `sowohl- als auch´“, erklärt Keizer. Dafür wurde die Badeplattform nun Standard und verlängert den Rumpf damit enorm. So war es möglich, nicht nur eine große Sitzgruppe zu schaffen, die sich durch das Umlegen der hinteren Rückenlehne nach vorne in eine vordere, kleinere L-Sitzgruppe und eine große achtere Sonnenliege verwandelt, sondern diese Sonnenliege auch noch so modular zu gestalten, dass sich achtern mittig statt der Liegefläche ein Tisch einbauen lässt, so dass jetzt eine große U-Sitzbank oder alternativ zwei Liegen mit mittigem Tisch nach achten ergibt. „So können die Eltern den Kindern beim Baden zuschauen, am Ankerplatz mit Blick aufs Meer den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein genießen und haben trotzdem Platz, den Sundowner abzustellen, oder bequem am Tisch auch das Abendbrot zu sich zu nehmen“, so Keizer.

Die achtere Sonnenliege lässt sich zu einer Lounge-Ecke mit direktem Meerblick umbauen, oder durch das Umklappen der Rückenlehne an die vordere Sitzgruppe anschließen. (Grafik: Bavaria)

Beim Gang in die Werkshalle wird klar, was Keizer meint. Der Kasko der neuen Yacht erstreckt sich prominent und die typischen, sportlichen Bavaria-Linien sind erkennbar. Die Werft ist hier nicht mit dem Anspruch ans Werk gegangen, den Sportcruiser neu zu erfinden. Nein, hier steht ganz klar eine Bavaria Motoryacht, allerdings eine, die sich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt und im Detail neu erfunden hat. So beeindruckt z.B. der Größenunterschied eines Einbaurahmens für den Niedergang einer S40 im Vergleich zu dem riesigen Plexiglaselement, das einmal das Niedergangsluk der neuen Yacht sein wird. „Das sind Details, die nur der bemerken wird, der bewusst vergleicht“, weiß der erfahrene Produktmanager. Zwar ist hier erst einmal nur ein halbfertiger Kasko zu besichtigen, die Großzügigkeit der Yacht wird aber deutlich.

Keizer erklärt die verschiedenen Baugruppen, weist auf Details wie die breiten Gangbords und die formschlüssige Sonnenliege auf dem Vorschiff hin, verweist auf den großen Abstand der B und der C-Säule des Hardtops und die daraus später einmal resultierenden großen, seitlichen Fensterflächen. Das Hardtop soll zudem einen großen Überstand nach achtern haben, so dass es möglich sein soll, den Deckssalon mittels Persenningen aber ohne ein extra Gestänge zu verschließen. Final soll die Yacht einmal mit Hardtop mit GFK-Schiebedach, alternativ mit Softtop und später auch als Coupé mit einer großen Glastür achtern verfügbar sein. Eine Open wird hingegen es nicht mehr geben.

Angetrieben wird die neue Bavaria S41 mit Mercruiser Benzinern oder Volvo-Penta Dieselmotoren der neuesten Generation. Die Navigation und das Motormanagement kann am modernen Fahrstand über einen Garmin-Screen, der ebenfalls zum Standard gehört, gesteuert und angezeigt werden.

Den Vortrieb übernehmen Motoren und Heckantrieb von Volvo Penta oder Mercruiser

Das Beste aus der S- und der R-Modellreihe soll das neue SR-Modell bieten. Wie ist das zu verstehen? „Stell Dir eine S40 vor, über die man mit der Zuckerdose gegangen ist“, lächelt Norbert Leifeld und ergänzt: „Wir haben die praktische Funktionalität, die solide Bauweise und die bewährten Eigenschaften der erfolgreichen S-Baureihe mit der Haptik, der hochwertigen Materialauswahl und dem eleganten Stil der R-Baureihe in Kombination mit neuen Lösungen zur SR-Modelllinie geformt.“

Leifeld ist überzeugt: Das gesamte Entwicklungsteam hat mit dem Motor- und dem Segelboot Großes geleistet, und das Dreieck Projektmanager – Entwicklung – Produktmanager funktioniert wieder sehr gut bei Bavaria Yachtbau. Die Entwicklung eines Produktes mit allen Fachbereichen ist die Grundlage für den Erfolg“, ist Leifeld sicher. „Kommen Sie auf die Boot Düsseldorf in die Halle 1 an den Bavaria-Stand und überzeugen sie sich selbst“, fordert Siep Keizer uns auf und ergänzt selbstbewusst mit sympathischem holländischem Dialekt: „Sie werden sehen, wir haben ein s(ch)uper Boot gebaut!“

Und über die SR41 hinausgedacht – wie ist die Weiterentwicklung der Baureihe geplant? „Das wird derzeit diskutiert. Die nächste SR könnte größenmäßig eher unterhalb der 41er angesiedelt sein“, vermutet Leifeld, aber er ist sich sicher: „Die Bavaria SR41 ist erst der Anfang!“

Bavaria SR41 (Grafik: Bavaria)

www.bavariayachts.com

boot Düsseldorf Halle 1/B37

Technische Daten:

•            Länge u. A.                                     13,29 m

•            Länge Rumpf                                 11,65 m

•            Gesamtbreite                                3,99 m

•            Höhe über Wasser [c.a.]             3, 60 m

•            Tiefgang, max [ca.]                       1,05 m

•            Leergewicht ca.:                          9.000 kg

•            Kraftstofftank ca. :                       750 L

•            Wassertank ca.:                           250 L

•            Kabinen                                          2

•            Badezimmer                                  2

•            Stehhöhe in Kabine [ca.]             2,07 m