Test SARGO 31 Explorer

Die Typenreihe der Sargo Yachten umfasst Modelle von 25 bis 36 Fuß in normaler und Explorer-Ausführung. Dem Topseller, der neuen Sargo 31 Explorer, hat das MotorBoot Magazin im Turku Archipelago auf den Kiel gefühlt.

Text: Claus D. Breitenfeld / Fotos: C. Breitenfeld / Kari Wilén / Sarin Batar

Sargo-Boote,
noch bis Mitte 2014 unter der Apostrophierung „Minor“ rangierend, wurde gegründet
vom inzwischen legendären Edy Sarin. Heute, in dritter Generation, immer noch
ein reinrassiges Familienunternehmen, repräsentiert es nach eigener Aussage
eine völlig neue Bootsklasse, nämlich das sogenannte „All-Season-Boat“, ein
Schiffstyp, das keine Saison kennt. Dafür spricht auch dessen Heimat, Kokkola
in der Region Ostrobothnia am Bottnischen Meerbusen, dort, wo sich die warmen
Monate des  Jahres auf kaum mehr als
deren vier summieren, die Boote jedoch mitunter zwölf im Wasser liegen. Und dafür
braucht’s halt diese besondere Art von Boot, tief verwurzelt in einer starken
Tradition und schon zuweilen fast arktischen Umgebung.

Design, Konzept, Verarbeitung

Den Vertrieb und den Service der Boote in Deutschland teilen sich zwei renommierte und alteingesessene Betriebe an Nord- und Ostsee. Während Frank van Delden von der Firma Harle Yachtbau aus Esens in Ostfriesland über Jahrzehnte DER Importeur der Marke in Deutschland war und immer noch ist, erhält er seit gut einem Jahr Verstärkung an der Ostseeküste von Mittelmann`s Werft aus Kappeln an der Schlei.

Und so sehen sich die Macher von Sargo selbst: Stil ist etwas, das niemals aus der Mode kommt. Und Sargo steht für stilvolles, funktionierendes Design, entwickelt im Laufe von Jahrzehnten. Daraus resultierend die Erkenntnis, dass Form immer der Funktion folgt, und nicht umgekehrt, einhergehend mit höchster Qualität . Der Kabinenaufbau und das Cockpit dieser Sargo spiegeln unverkennbar skandinavisches Flair wider, bewährte Ergonomie und eine Vielzahl praktischer Einzelheiten, im ersten Moment oftmals gar nicht so zu bemerken. Darunter fällt unter anderem die Salon-, Decks- und Badeplattform-Ebene auf einem Level, ohne Stolperfallen, willkommen bei problematischen Wasserverhältnissen. Je intensiver sich der Betrachter auf Details an Bord einlässt, umso mehr wird die Funktionalität dieses Schiffes deutlich, dessen Interieur nicht nur schön anzusehen ist, es soll auch sinnvollem Nutzen, Langlebigkeit und komfortablem Bootsleben gerecht werden. „Sargo-Style“ durch und durch.

Salon und Pantry

Wir
gehen an Bord – und wie die Typisierung „Aft Door“ bereits vermuten lässt, von
achtern aus dem Cockpit in die Salon-Steuerhaus-Kombination mit an Stb.
platzierter Pantry. Backbords gegenüber ein großes L-Sofa, dessen achterliche
Sitzfläche in hochgeklappter Position den Zugang zur verhältnismäßig geräumigen
Unterflurkabine mit unerwartet üppigem Doppelbett freigibt. Elektrisch absenkbar
der Tisch im Salon und je nach Kippstellung der Rückenlehne der Beifahrerbank,
kann diese Sektion in die Schlafplätze „5 + 6“ umgewandelt werden. Auf
Steuerstandhöhe beidseitige Schiebetüren auf die Gangbords und der Rudergänger-Schalensitz
im Offshoreformat, darunter ein Kühlschrank. Der Weg ins Vorschiff mit
traditioneller V-Koje und an Stb. installiertem Toilettenraum samt Dusche, wird
verschlossen von einem zweiteiligen Klappschapp und gleicher Flügeltür.

Der Fahrstand- das Dashboard kann gekippt werden.

Sargotypisch
das vertikal zu kippende Dashboard des Steuerstandes, flankiert vom Garmin
XSV-Plotter, diversen Kippschaltern, Bugschrauben-Stick,
Volvo-Einhebelschaltung, Sicherungspaneel, Trimmklappenbedienung etc. Über der
dreigeteilten Frontscheibe mit Parallelwischern unter anderem analoger
Drehzahlmesser, Radio, Lautsprecher und nach achtern ein dreigeteiltes
Glasschiebedach.

Das
Cockpit wird dominiert von einem stabilen Tisch, seitlichen, mit Flexiteak
belegten Backskisten und einer Kühltruhe. Darunter der bequem zugängliche
Maschinenraum, Platz bietend auch für zwei Motoren, in dem der spurtstarke
370er Volvo Penta D6-Diesel als Single seine 272 kW zur Entfaltung bringt.
Steuerbords schließlich der Durchgang auf die riesige Badeplattform mit
backbordseitigem Heckanker und Z-Antriebs-Inspektionsluk . Breite Gangbords
führen aufs Vorschiff  mit offener
Bugreling, Ankerkasten und Einstiegshilfe. Ordentliche Festmacherbeschläge mit
Springleinenfunktion, Fenderhalter, Suchscheinwerfer und Antennen-Sammelsurium
auf dem Salondach komplettieren den Außenbereich.

Fahreigenschaften

Auf
gut sechs Tonnen Testgewicht summierte sich die Masse bei fast gefüllten
Kraftstoff- und Wassertanks während unseres Probeschlages im Schärengewässer
vor Turkus Gestaden, begleitet von Wind- und Wellenkonditionen der Stärke drei
bis vier. Für einen auf 19,5° aufgekimmten
Sargo-Rumpf jedoch ein Klacks. Hebel auf den Tisch, Trimmklappen in
Neutralstellung, der mit Duoprop „G4“ bestückte Z-Antrieb tief abgesenkt, 23
Sekunden verrinnen, vom Flatscreen kommt das Signal 33,9 kn (62,8 km/h) bei
Volllast, 3.550 U/min. Das kann sich sehen lassen.

Unter
diesen Vorzeichen das Ruder im Sportwagenmodus hart gelegt, lediglich drei
Umdrehungen von Seite zu Seite, ohne einzuhaken, achterlich wegzudriften und
schon gar nicht zu kavitieren, folgt die Sargo spurtreu dem vorgegebenen Kurs.
Dass dabei die 5.500 cm3
Motor-Hubraum, verteilt in Reihe auf sechs Zylinder, um die 78 l/h fordern,
kann durchaus als moderat angesehen werden, ein gleichstarker Außenborder würde
sich damit sicherlich nicht begnügen. Auch an der Lautstärkeentwicklung von 78
dB(A) am Steuerstand gibt’s nichts zu bemängeln. Liegt Marschfahrt von 24,3 kn
(45,0 km/h) bei 2.800 U/min an, reduziert sich der Spritdurst deutlich auf 46,0
l/h und die dB(A)‘s um vier Punkte.

Egal,
ob bei Marschgeschwindigkeit oder Fullspeed, Glattwasser oder kreuzende
Heckwellen Vorlausfahrender, in keiner Fahrstufe lässt diese Sargo 31 ein
Gefühl von Unsicherheit aufkommen. Satt und sonor das Eintauchen nach dem
Sprung über die Welle, kraftvoll der Anzug über den gesamten Drehzahlbereich
von unten herauf. Souverän darüber hinaus jedwedes Einparkmanöver, dank
Drehkreisen von einer bis 1,5 Bootslängen, mit Unterstützung der Bugschraube
sowieso. Alles im grünen Bereich.

Fazit

Die Sargo 31 Explorer Aft Door, nicht nur eine knuffige, im Handling selbst von Einsteigern problemlos in den Griff zu bekommende Kompakt-Yacht die keine Saison kennt, hier haben wir es auch mit „einem Boot für alle Fälle“ zu tun. Sowohl als privates Reiseschiff, aber auch im professionellen Bereich ohne Wenn und Aber bei entsprechender Ausrüstung jederzeit zu Hause. Hochwertigster Materialeinsatz, Topverarbeitung, ansprechendes Design und ein Standard-Lieferpaket, das rundherum als fahrfertig zu bewerten ist. Realisierbare Optionswünsche logischerweise nicht ausgeschlossen. 

www.sargoboats.fi

www.harle-yachtbau.de

www.mittelmannswerft.de

Technische Daten

Das Heft mit dem vollständigen Test, Messwerten und weiter Infos können sie unter HIER nachbestellen.