Viel Raum für Fahrspaß:

Bootstest: Cobrey 33 HT

Mit zwei Modellen – einer 28er und einer 33er – trat die polnische Cobrey-Werft Ende 2016 in Deutschland an. Mit Erfolg – die Mischung aus italienischem Design und polnischer Bootsbaukunst zum attraktiven Preis traf den Nerv der Sportcruiser-Fans. Nach der Cobrey 28 SC (WasserSport 2/2017) hatten wir nun die Gelegenheit, beim Cobrey-Händler MIZU Technology GmbH aus Hilzingen, auch die Gashebel der Cobrey 33 HT nach vorne zu schieben.

Cobrey Yachts aus Warschau baut bereits seit dem Jahr 2004 sportliche Motoryachten. Die italienische INO Group Design, die sich im Bereich großer, schneller Motoryachten und Militärfahrzeuge einen Namen gemacht haben, konstruierte auch die Cobrey 28 SC und die 33 HT. Weitere Modelle sind in Arbeit, so eine 50er Fly, die für die boot-Düsseldorf angekündigt ist.

Konzept, Design, Verarbeitung

Keine Frage: Das Boot sieht richtig gut aus. Nix vom aufgepumpten Backei-Design manch anderer Vertreter dieser Bootsklasse und Größe – ganz im Gegenteil: Das rassige, fließende und schön gestreckt wirkende Design gibt einen klaren Hinweis auf den Anspruch des Ganzen: Schnell soll`s gehen und das komfortabel bitte schön – ein echter Sportcruiser, der auch am Steg eine gute Figur macht.

Das Vorschiff mit absenkbarem Tisch und Pantryküche

Allerdings – eine 33er ist zwar ideal für den gehobenen Einstieg in den Yachtsport, aber ist eben oft ein Boot, bei dem Mann/Frau sich nach ein oder zwei Saisons den berühmten Meter mehr an Länge wünschen. Das dürfte bei der Cobrey entfallen. Wenn der Autor dieser Zeilen nicht eine Aversion gegen das abgedroschene Wort „Raumwunder“ hätte, hier würde er es im Zusammenhang mit der Cobrey 33 ohne Zweifel verwenden. So zitieren wir lieber den Eigner der Testyacht, dessen eigentlich schon getroffene Kauf-Entscheidung für ein anderes Boot nur Minuten nach dem eher zufälligen Betreten der Cobrey auf der Interboot 2016 wieder über den Haufen geworfen wurde: „ Das Boot gefiel uns sofort! Spätestens als wir die große, helle Achterkajüte sahen, war klar: Das ist unser Boot!“, so der stolze Yachteigner strahlend und weiß jetzt nach der ersten Saison: Alles richtig gemacht. Komfort, Platz und trotzdem die Handigkeit der Yacht – ideal für fast alle Reviere. Bei der Konfiguration des Bootes, konnten auch von der Serie abweichende Kundenwünsche berücksichtigt werden. Ob andere Farben beim Interieur, Teakboden, Lichtdimmer, Schiebefenster seitlich, ein beleuchteter Namenszug am Heck – Cobrey-Händler Michael Zupritt und die Werft machten es möglich.

Der Fahrstand mit Platz für Kartenplotter & Co.
die Größe der hellen und luftigen Achterkajüte überrascht auf einem 33 Fuß Boot

Glänzende weiße Flächen an den Wänden, die schwarze Arbeitsplatte in der Pantry, dunkles Holz beim Mobiliar – das Innere der Cobrey ist eine geschmackvolle Komposition kontrastierender, edler Materialien. Dabei ist die grundsätzliche Linie trotzdem gradlinig, klar und funktional – hier prägt die Handschrift modernen, italienischen Designs das moderne, wohnliche Ambiente. Ansonsten verzichtet Cobrey dankenswerter Weise auf die nicht selten missglückenden Versuche der Neuerfindung des Rades, und orientiert sich an bewährten Konzepten und Raumaufteilungen. Die finden sich so oder ähnlich sicher auch bei manchem Mitbewerber, das aber nicht ohne Grund, da sie seit Jahrzehnten funktionieren. V-Sofa vorne, absenkbarer Tisch zur Koje, Pantry an Backbord, Nasszelle an Steuerbord, Achterkammer mit Doppelkoje unterflur – all das ist bekannt, was zählt sind die Details der Umsetzung.

Nicht selbstverständlich auf 33 Fuß Booten: Die Nasszelle mit separater Duschkabine.

Und die stimmt: Z.B. bei der modernen Ausstattung der Nasszelle, die hier – nicht selbstverständlich in der Größe – genügend Platz für eine abgeteilte, vollwertige Dusche bietet. Oder in der Eigner-Achterkabine, die dank schöner Materialien, großer Fenster, zur Belüftung zu öffnenden Bulleyes und einer exzellenten Raumausnutzung eine luftige, vollwertige Eignerkammer ist. Nur einige der diversen guten Gründe, die das Eignerpaar in Sachen Kaufentscheidung auf Cobrey-Kurs brachten. Auch in der Plicht ist klare Linie in bester Bauqualität angesagt. Hell und luftig, aber trotzdem geschützt geht`s unter dem Hardtop mit dem großen, optionalen Schiebedach zu, nach achtern verlängert eine ausziehbare Persenning nach Coupé-Art das feste Dach. Ob mit Freunden und Familie in großer Runde auf der L-Sitzbank, oder nach dem Umklappen der Rückenlehne auf der achteren Sonnenliege – die große Plicht dürfte im Sommer der Lebensmittelpunkt an Bord sein. Wohin man auch guckt – die Bauqualität passt. Ob GFK-, Holz-, oder Polsterarbeiten – alles ist sorgfältig ausgeführt und sauber und solide verarbeitet und punktet mit gutem Finish.

Typisch Sportcruiser: Das große Cockpit mit Wetbar, L-Sofa und Sonnenliege

Fahreigenschaften:

Auf günstige Lock-Angebote mit lascher Einzelmotorisierung, die den Geizigen erst jauchzen und den Skipper später seufzen lässt, verzichtet die Werft. Richtig so! Wer will auch schon ein dreibeiniges Rennpferd? Wer Sportcruiser sagt, der meint nicht Tourendampfer – dementsprechend gibt`s die Cobrey 33 nur mit potenter Motorisierung im Doppelpack. Ob dabei der Wert mehr aufs Cruisen mit Diesel oder auf Sport mit Sprit gelegt wird, bleibt dem Eigner überlassen. Diverse Motorisierungs-Varianten stehen zur Auswahl auf der Bestellliste.

Gut zugänglich und sauber installiert: Die beiden Volvo Penta V6-240 Motoren

Auf unserem Testboot leuchtet es zweimal Volvo-Rot aus dem Motorraum. Der Kenner weiß: Hier wird hoch-Oktaniges eingespritzt und in diesem Falle per Zündfunke zur jeweils 240 PS liefernden Leistungsexplosion aus je sechs Zylindern via Z-Antrieb und Duoprop ins Wasser gebracht. Auch das Wetter am Testtag geht auf Leistungskurs – die schwarze Wolkenwand, die sich drohend übers Alpenmassiv schiebt, straft den friedlich-sonnigen Eindruck, den das „schwäbische Meer“ erst noch vermittelt, Lügen und kündigt fordernde Bedingungen in der Testarena an. Bewaffnet mit Doppelmotorisierung und Bugstrahler ist das Ablegen auch bei Seitenwind mit der typbedingt hochbordigen Yacht in der engen Boxengasse kein Problem. Eben noch Zeit ein paar Fahrmessungen zu machen, bevor die erste Böenwalze mit sechs Windstärken, von hektischem Blinken der Warnlichter am Ufer begleitet, orgelnd aus den Bergen fällt und schnell eine kleine, aber ruppige Welle aufbaut. Doch kein Grund die Gashebel der Cobrey zurückzunehmen. Die empfiehlt sich mit sattem Antritt und auch dank des sehr gut harmonierenden Zipwake Autotrimm-Systems mit fast unmerklichem Übergang in die Gleitfahrt, quittiert den Wetterumschwung mit souveräner Gelassenheit und prescht leichtfüßig und weich einsetzend übers wellige Testgeläuf.

Rauwasser? Kein Thema! Die Cobrey 33 setzt weich ein und läuft stabil

Das Boot empfiehlt sich in der kurzen Polterwelle mit Klasse, selbst harte Kurven nimmt die italienische Polin ohne die Tendenz zu springen und durch die Welle unangenehm zu versetzen, vom Ausbrechen oder gar Einhaken ganz zu schweigen. Dabei liegt die Cobrey sehr direkt und mit großer Leichtigkeit einerseits und einem hohen Maß an Souveränität andererseits auf dem Ruder. Ein Fahrverhalten, das so i.d.R. eher größeren Yachten zugeordnet wird. Hier stimmt die Konstruktion, der Trimm und harmoniert die Kombination mit den beiden sehr leistungs- und durchzugsstarken Volvo-Pentas perfekt. Das Boot wirkt dabei nicht überpowert, sondern zwar betont sportlich, ohne den fahrerischen Komfortbereich zu verlassen. Es fordert, aber es überfordert nicht, brennt mit sattem Druck am Prop durch die Kurve, läuft weich und spurstabil trotz Rauwasser seinen geraden Kurs und erlaubt bei Marschfahrt zügige Geschwindigkeiten bei komfortablem Fahrverhalten. Bei harscher Kurvenfahrt geht die Cobrey zwar sportlich auf die Kante, verlässt dabei aber nie den stabilen Spaßbereich. Ideal für Speed-Fans und Familie gleichermaßen.

Fazit:

Cobrey 33 HT

Die Cobrey 33 HT schafft es perfekt, den schwierigen Spagat zwischen fahrerisch-sportlichen Anspruch und dem Wunsch nach Fahrkomfort, Platz und Urlaubstauglichkeit und ansprechender Optik unter ein Dach bzw. Hardtop zu bringen. Und das auf 33 Fuß Länge. Dabei kommt sie nie in die Verlegenheit, faule Kompromisse machen zu müssen. Sie glänzt auch unter anspruchsvolleren Bedingungen mit sehr guten Fahreigenschaften in Verbindung mit einer exzellenten Raumausnutzung, schönen Materialien, guter Bauqualität, klarer Linie und hoher Funktionalität. Unterm Strich ist es zudem ein sehr wettbewerbsfähiger Preis, der Ein- und Aufsteigern auch in dieser Hinsicht viel Raum für Fahrspaß bietet.

Kleine Schwester: Cobrey 28 SC

Kontakt:

Testyacht gefahren bei:

MIZU Technology GmbH, Weidgang 3-5, 78247 Hilzingen

www.mizu.de

Technische Daten
Herstellerland:Polen
Werft/Modellbezeichnung:Cobrey 33 HT
Konstruktion /Design:INO-Group Design / Italien
Länge ü. A. (m): 10,4
Rumpflänge (m): 9,8
Breite ü. A. (m):3,19
Tiefgang max. ca. (m):  1,05
Durchfahrtshöhe max/min ca. (m):2,7 (abhg. v. Instr. /Antennen o.ä.)
Kabinenhöhe ca. (m):ca. 2 (Salon)
Gewicht leer / max. load (kg)5,5 / 
Baumaterial:GFK
Rumpf/ BauartGleiter
Motorisierung Test
(Hersteller / Modell/ kW (PS)): 
2x Volvo Penta/ V6-240-CE/179(240)
Brennstoff:Benzin oder Diesel
Propellergröße/ Typ Test:VP FH6 Duoprop
Motorisierung von – bis kW (PS):2x 161 (200) – 2 x 220 (300)
Antriebsart:Z-Antrieb / Aquamatic
Kraftstofftank (l):650
Frischwassertank (l):200
Schmutzwassertank (l):85
CE-Kat. / Personen.:  B/ 8
Schlafplätze/ Kabinen (ggf.+Salon): 2+2