Mit dem Boot um Beemster und Schermer

Zwanzig Jahre ist es her, dass die nordholländische Region Beemster und Schermer von der UNESCO das Prädikat Weltkulturerbe erhielt. Damit wurde 1999 ein Poldergebiet ausgezeichnet, das aufgrund seiner Trockenlegungs-Methode und Parzellierung von besonderem Wert ist.

Auch wenn das ehemalige Beemstermeer und Schermermeer nicht mehr vorhanden ist, kann man die Polder per Boot erfahren. Dafür geht es von Alkmaar aus auf den Nordhollandskanal Richtung Alkmaardermeer, Purmerend, auf der Beemsterringvaart rund um das einstige Beemstermeer und wieder zurück nach Alkmaar.

Von einem Liegeplatz in der Stadt lässt sich der mittelalterliche Teil Alkmaars gut zu Fuß erkunden. Auf dem Waageplein wird von April bis September immer freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr der berühmte Käsemarkt abgehalten. Grachten, Zugbrücken und historische Gebäude säumen die St. Laurentiuskirche.

Grachten, Brücken und Boote sind typisch für die nordholländische Stadt Alkmaar.
Foto: NBTC

Auf dem Nordhollandskanal, der Hauptschifffahrtsstraße durch Nordholland, nimmt man Kurs auf das Alkmaardermeer. Ländliches Panorama zu beiden Seiten der Ufer. Sämtliche Brücken, die den Nordhollandskanal überspannen, sind beweglich und werden gratis bedient. Wer Zeit hat, macht einen Abstecher auf das Alkmaarder- und Uitgeestermeer, auf denen reichlich Wassersport betrieben wird. Liegeplätze befinden sich in den Orten Akersloot und Uitgeest in verschiedenen Yachthäfen, sodass man hier problemlos einige Tage verbringen kann.

Zurück auf dem Nordhollandskanal wird das Dorf Westgraftdijk passiert. An Backbord soweit das Auge reicht flaches, parzelliertes Polderland, das bis zu vier Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Aus Wasser wird Land

Jahrhundertelanger Torfabbau in dem Gebiet zwischen Alkmaar und Purmerend sorgte für die Entstehung des Schermer- und des Beemstermeeres. Der morastige Boden trocknete aus, wurde schwer und sank tiefer. Somit hatten Wind und Wasser freie Bahn und ließen die beiden Binnenseen entstehen. Bis ins 17. Jahrhundert bestand Nordholland größtenteils aus Wasser wie dem Beemster, Schermer, Purmer und Wormer. Wachsende Bevölkerungszahlen erforderten immer mehr Ackerflächen. Da steigende Wasserpegel der Seen eine wachsende Gefahr für die Ortschaften darstellten, erhielt der in De Rijp geborene Wasserbauingenieur und Architekt Jan Adriaennsz Leeghwater den Auftrag, den Binnensee Beemster trockenzulegen.

Dies gelang ihm mit Hilfe von vierzig Mühlen. Im Jahr 1612 lag das gewonnene und in Parzellen von zirka 185 m Breite und 530 m Länge eingeteilte neue Land dreieinhalb Meter unter dem Meeresspiegel. Während die Mühlen weiterhin das Land trocken hielten, könnten die Bauern ihre Äcker bestellen.

Einst das Beemstermeer, heute fruchtbares Polderland. Foto: NBTC

Nach der erfolgreichen Landgewinnung und weiterem technischen Fortschritt wurde der größte und tiefste See, der Schermer, 1636 mittels zweiundfünfzig Mühlen entwässert und ebenfalls in geometrisch gegliederte Parzellen geteilt.

Wieder auf dem Nordhollandskanal mit seinen Schilf gesäumten Ufern zweigt an Backbord bei West-Graftdijk die Schermer Ringvaart ab. Aufgrund fester Brücken mit einer Durchfahrtshöhe von 1,80 m ist die Schermer Ringvaart nur mit Sloepen o.ä. zu befahren. Besondere Blickfänger in der Landschaft sind einige der noch erhaltenen alten Poldermühlen, die inzwischen von modernen, automatisierten Pumpwerken abgelöst wurden. Die erste reckt ihre Flügel bei Grootschermer in den Himmel und stammt aus dem Jahr 1888. In der Museumsmühle Schermerhorn, bestehend aus einem  Ensemble aus drei Mühlen, wird dem Besucher veranschaulicht, wie die Poldermühlen seinerzeit arbeiteten. In der Huigenvaart passiert man hinter Rustenburg wieder drei Mühlen. Die mittlere dient als Museumsmühle mit angeschlossenem  Besucherzentrum. Sorgsam restauriert, erfreuen sie den Bootsfahrer mit ihrem Anblick.

Wie in vergangenen Zeiten werden in der Kornmühle De Otter noch heute Hafer, Gerste, Weizen und Roggen gemahlen. Wobei Besucher dem Müller über die Schulter gucken können. Zu Füßen der Mühle Oudorp kann man im Kraspolder Kanal bei Alkmaar festmachen. Wer die Mühlentour hier abschließen möchte, sollte noch in die Hoornse Vaart einbiegen, deren Wahrzeichen gleich fünf Mühlen sind.

Bleibt man jedoch auf dem Nordhollandskanal, zweigt wenig später an Backbord die Beemsterringvaart ab. De Rijp ist der erste Ort, in dem man zwei Passantenhäfen zur Auswahl hat. An der Beemsterringvaart liegt der Yachthafen De Meermolen und in einem Seitenarm der Vereinshafen Eilandspolder. Beide befinden sich im Laufabstand zum denkmalgeschützten Dorfkern. Neben beweglichen Brücken gibt es auf dieser Strecke auch zwei feste Brücken. Die niedrigste  zwischen Spijkerboor und Avenhorn weist eine maximale Durchfahrtshöhe von 2,44 m auf und  schränkt die Bootsgröße für diesen Abschnitt leider ein. Wer sie befahren kann, wird mit reichlich Natur und Ausblicken auf die Besonderheit der Landschaft belohnt. Vorbei an Avenhorn, hier kann im Yachthafen ̕t Hoog angelegt werden, und Oosthuizen führt der Kurs im Uhrzeigersinn nach Purmerend.

Wohnschiffe entlang den Ufern künden die Stadt an. Passanten- oder Yachthäfen bieten gute Liegeplätze für eine oder mehrere Übernachtungen. Im Zentrum der alten Handelsstadt wird hier alles an Geschäften und Ausgehmöglichkeiten geboten. Mit der Geschichte der Stadt befasst sich das Purmerend Museum, das im alten Rathaus beheimatet ist.

Von Purmerend aus hat man die Wahl entweder über den Nordhollandskanal zurück nach Alkmaar oder über die Purmeringvaart vorbei an Edam, Monnickendam, Broek in Waterland nach Amsterdam zu fahren.

Ingrid Bachmann