Absolute 40 STL

„La dolce vita“ – ein guter Ansatz bei der Konstruktion einer Freizeityacht, deren einziger wahrer Sinn es ist, eben diesem süßen Leben zu frönen. Dass bei der Konstruktion eines sog. Sportkreuzers der 40-Fuß-Klasse dabei nicht unbedingt das herauskommen muss, was in diesem Segment üblicherweise den Kurs der Yacht-Liebhaber kreuzt, ist da kein Nachteil, wie sich anlässlich einer Probefahrt auf der Ostsee zeigte.

Express-Lounge

Design, Konzept, Verarbeitung

„Sie ist im Vergleich zum üblichen Sportcruiser schon fast mehr ein Daycruiser oder Overnighter “, so Dirk Levien, Geschäftsführer der Firma Levien Sails & Drive und Absolute Nord-Impor- teur zur brandneuen 40er, die hier als erste ihrer Art deutsche Gewässer durch- pflügt. „Fast“ – denn was mit gestreckter Linie, beeindruckender Breite und potenter zweimal 330 PS Doppelmotorisierung am Steg der ancora Marina in Neustadt in Holstein liegt, muss sich vor allem, was dort sonst noch in der 40 Fuß Klasse herumkurvt, jedenfalls nicht verstecken. Die Yacht vom Nutzwert her lediglich auf Tages- und Wochenendausflüge zu reduzieren, wäre daher dann doch zu kurz gesprungen.
Zumal hier in der Variante mit Hardtop, die im Ver- gleich zur ebenfalls ver- fügbaren „Open“ für den Ostseeraum sicher die empfehlenswerte Alternative ist. Zwar verfügt natürlich auch die „Open“ über ein op- tionales Cabrioverdeck, doch das graue Hardtop, das sich von seinen Targa-Bügel-ähnlichen Stützen von achtern nach vorne erstreckt, um eben hinter der Windschutz- scheibe von zwei stabilen Niro-Rohren gehalten zu werden, ist die solidere Basis für die schnell anzuknöp- fenden Seitenteile, die aus dem großen Cockpit einen geschlossenen Salon machen. Womit der Fokus auf den Aspekt gelegt wäre, der diese rassige Italienerin von anderen ihrer Gattung unterscheidet: der großzügige Au- ßenbereich. Denn hier findet – und nicht nur an den italienischen Küsten – übli- cherweise das Leben an Bord statt. Damit erstreckt sich in der Plicht eine großzügige Lounge, deren riesiges U-Sofa nicht nur die Großfamilie, sondern auch einen entsprechenden Freundeskreis beherbergen kann. Idealer Ausgangspunkt für fröhliche Feiern in lauer Sommernacht. Gut versorgt wird die Crew über die Wetbar an Backbord, die optional mit Grill, Spüle und Kühl- schrank ausgestattet werden kann. Während sich vorne an Steuerbord der Fahrstand mit zwei hochwertigen Flip- up Sitzen für Skipper und Co-Pilot anschließt, erstreckt sich achtern eine große Sonnenliege – natürlich mit einstellbarer Rückenlehne. Kaum zu vermuten, aber darunter befindet sich ein üppiger Stauraum, der groß genug ist, um auch einen kleinen Tender oder ein Badeboot zu beherbergen.

Aufs Vorschiff geht`s bequem über zwei breite Gangbords an den Seiten.
Soviel Platz an Deck und in der Plicht lässt voreingenommene Zeitgenossen auf beengte Verhältnisse unter Deck schließen. Doch davon keine Spur. Wir befinden uns schließlich auf einer Absolute! Geschickte Raum- ausnutzung und großzügige Platzverhältnisse gehören quasi zum Markenzeichen der Werft im italienischen Piacenza. Dementsprechend empfängt einen unter Deck ein behaglicher Salon mit großen Fenstern im Rumpf, großer Sitzgruppe, einer kleinen Pantry mit Spüle, Herd und Mikrowelle. Nach dem Absenken des Salon-Tisches wird aus der Sitzgruppe eine große Doppelkoje. Als überraschend geräumige und dank der Fenster auch luftig- helle Unterflurkabi- ne entpuppt sich zudem die Eigner-Kammer mit dem geschickt schräg angeordne- ten Doppelbett, das so auch hier üppige Platzverhält- nisse zulässt. Vollwertig und ebenfalls ohne Kompromisse: die Nasszelle mit Dusche. Design können die Italiener sowieso: Dunkle Hölzer, ein heller Fußboden, helle De- cken und cremefarbene Pols- ter, ergeben einen modernen, edel anmutenden Material- mix mit unaufdringlichen, schönen Kontrasten. Wer die Yacht für einen mehr- tägigen Urlaubstörn zu zweit oder mit der Familie nutzen möchte, findet also auch unter Deck genug Platz und Komfort. Lediglich beim Zugang zum Motorenraum ist die Werft – und auch das ist schon fast typisch italienisch – den Kompromiss eingegan- gen, zugunsten des Layouts an Deck nur eine kleine Luke einzubauen, durch die – vorzugsweise schlankes – Servicepersonal schlüpfen kann, um die notwendigen Wartungsarbeiten durchzuführen. Sollte einmal eine Motorenrevision notwendig sein, lässt sich der achtere Teil des Decks aber durch die geschickte Konstruktion von Fachleuten der Werft ohne Probleme entfernen. Platz draußen, Licht drinnen – die geschickte Aufteilung des eingedeckten Vorschiffs-Wohn- und Schlafbereiches und der riesigen Plicht, die je nach Bedarf von der luftig-luxu- riösen Lounge zum behaglichen, geschlossenen Salon verwandelt werden kann, ergeben eine vielseitige Mischung, die vom kraftvol- len Urlaubs-Tourer bis hin zum sportlichen Party-Boot reicht.

Fahreigenschaften

Bei der Wahl der Moto- risierung macht es einem die Werft leicht – es gibt nur eine Option mit Volvo Penta Aquamatic-Heckan- trieb D6-330 DPH mit
dem bewährten Reihen- sechszylinder-Dieselmotor mit 5,5 Liter Hubraum, Common-Rail-Einspritzung, doppelten, obenliegenden Nockenwellen und Turbo- lader in Kombination mit dem DPH-Duoprop-Antrieb. Gentlemen start engines, please! Doppelmotorisierung mit Z-Antrieben und Volvo-Penta Joystick-Steuerung als Komfort-Feature obendrauf – da gelingt es nach kurzer Einweisung auch einem Anfänger, den Italo-Zossen aus der engen „Parklücke“ zu zirkeln. Erst rechte einem Profi wie Dirk Levien, der das Manöver quasi als Fin- gerübung lässig vom Seiten- deck aus fährt. Brav folgt der sportliche Prosecco-Kreuzer den Steuerbefehlen seines „Patrone“ und läuft gut gedämpft, leise brummelnd in Richtung Ostsee. Dabei liegt die Yacht in langsamer Verdränger-Fahrt so stabil im Wasser wie eine Pizza auf dem Backblech und lässt sich auch von Seitenwind und –wellen nicht vom Kurs abbringen.

Mit zunehmender Geschwindigkeit hebt die Absolute den Bug und schiebt sich an ihre Gleitfahrtgrenze heran, die sie erst relativ spät bei gut 14 Knoten erreicht. „Zwei große Maschinen im Heck und einen, recht weit achtern liegenden, vollen Tank – da braucht es etwas Druck“, so Dirk Levien. Recht hat er, und unser langsames Heran- tasten an die Fahrstufe für einen theoretischen Mess- wert korrespondiert nicht recht mit den praktischen Anforderungen. Die optional erhältliche absenkbare Bade- plattform des Testkandidaten wird ihr Übriges dazu beitragen. Also geben wir den Dieseln „Feuer frei!“ Und siehe da: Mit Vehemenz hievt sich die Yacht jetzt mit deutlich mehr Elan über den eigenen Wellenberg in die Gleitfahrt.
Dort angekommen legt der Cruiser eine überraschende Leichtigkeit an den Tag. Mit sattem Druck an den Duoprops offenbart die elegante Italienerin ihre Sportboot-Gene nun auch fahrerisch, stürmt in die höheren Geschwindigkeitsbereiche und erreicht bei 30 Knoten – nee, nicht die Höchstgeschwindigkeit – sondern erstmal eine respektable Marschfahrt mit ebenso respektablen Verbräuchen pro Seemeile. Wer nun versuchen will, die Yacht mit Rowdytum am lederummantelten Volant zum Ausbrechen oder gar Einhaken zu bringen, der kann sich diese Übung sparen, denn mit charmanter Lässigkeit und gnadenlosem Grip durchpflügt die Absolute auch enge Kurven und leistet sich keine Schwäche. Auch in Sachen Top-Speed überzeugt die 40 STL: Satte 45 Knoten auf der Logge sind wahr- lich ein sehr guter Wert, der sich in Relation vom Bootsgewicht zur nicht
mal übertrieben hohen Motorleistung sozusagen „Absolute“ sehen lassen kann, und als Kompli- ment an die Konstrukteure angesehen werden darf.
Im Manövrierbetrieb hingegen ist die Yacht quasi handzahm und dreht mit nur einer Maschine ein- gekuppelt und dem Ruder voll eingeschlagen fast auf dem Teller. Und auch bei 30 Knoten Marschfahrt gibt der Drehkreis mit 3,5 Schiffslängen einen deutli- chen Hinweis auf die sportliche Handigkeit und doch souverän-sichere Fahrweise der Yacht.

Mein Fazit:

Die Crew dieser großzügigen Sportyacht aus dem Süden dürfte sich auch im Norden pudelwohl fühlen und neben dem komfortablen „Italo-Style“ auch jede Menge Fahrspaß erleben. Die ausgewogen-sportliche Mischung erinnert an das souveräne Fahrverhalten hochwertiger, sehr potent motorisierter Oberklasse-Limousinen. Ein Vergleich, der sich auch in Bezug auf die erstklassige Verarbeitung, die ansprechende Haptik und den Preis des Bootes aufdrängt. Der sportive Italo-Bolide ist aber angesichts der Qualität und der technischen Ausstattung sein Geld ebenfalls „Absolute“ wert.

Christian Schneider
Christian Schneider
Testbedingungen
RevierOstsewe / Lübecker Bucht
Wind (Beaufort)3
Strom (Knoten)0,5kn
Wellenhöhe0,3m
Personen an Bord3
Tankinhalt Wasser200l
Tankinhalt Treibstoff700l
Absolute 40 STL
Konstruktion/DesignAbsolute S.p.A. Italien
HerstellerlandItalien
Motorisierung Test KW (PS):2x Volvo Penta / D6-330 243 (330)
AntriebsartAquamatic z-Drive
Preis Standard/Testschiff:404.600,- / 526.000,-

Messwerte

FahrstufeDrehzahlGeschwindigkeitVerbrauchSchallpegel**
U/minknkm/hl/hl/sml/kmdB(A)
*Gemessen am (Innen-)Fahrstand

Beschleunigung 0-Vmax minus 1kn. (Sek): 35, Drehkreis in Bootslängen = Stand = 0,5 / 30 kn= 3,5 (Vollast),
Reichweite bei Revierfahrt/Marschfahrt (Tankinhalt-10 %) in sm (km): 380 (704)/270 (500).
Standgas eingekuppelt6004,007,413,000,750,4068
Revierfahrt (ca. 6kn / 12km/h)10006,4011,8511,851,851,0073
Gleitfahrtgrenze220014,5026,8570,004,832,6181
Marschfahrt280030,0055,5678,002,601,4085
V-max.355045,0083,34138,003,071,6685
  • 11,90m
  • 3,99m
  • 0,90m
  • 3,3 / 2 (offen)m
  • 2x234KW / 2x330PS
  • GFK
  • 780l
  • 250l
  • 5.000kg
  • B
  • 10
  • 4+2
  • 45kn / 83km/h
  • 704km / 500km