Test Bavaria Sport 29: Yachtfeeling mit sportlichem Touch

Egal, ob perfekte Yacht, Familienkutsche, komfortables Sportgerät, „idealer Kompromiss“ oder von jedem etwas, diese Bavaria Sport 29 überzeugt als Allrounder für Eigner mit dem Wunsch nach viel Schiff zum adäquaten Preis, einfachem Handling und Flexibilität in jedweder Hinsicht. Ein kleines, knuffiges Schiff, das mit ganz spezieller Größe zu beeindrucken weiß. Claus D. Breitenfeld ließ sich von diesen Prädikaten überzeugen.

High Quality“ – so die Werbebotschaft und Slogan, den Bavaria Yachtbau nicht nur als profane, abgedroschene Aussage vor sich her trägt. Deutschlands größter, zugleich einer der führenden europäischen und darüber hinaus weltweit aktiver Bootsbauer, untermauert diesen Anspruch auch durchaus praxisbezogen nachvollziehbar. Dafür steht nicht nur unter anderem im Segment Motoryachten die enge Zusammenarbeit mit international führenden Konstruktionsbüros und Yachtdesignern, wie etwa „INSENAVAL“, es werden auch die ultimativen CE-Anforderungen deutlich übertroffen, regelmäßig überwacht von keinem Geringerem als dem „Germanischen Lloyd“, sei’s bezogen auf das finale Produkt, als auch auf die Fertigung schlechthin. Unterm Strich zertifizierte Qualität, auf die Verlass ist.

Mehr als 1.000 Bavarias werden Jahr für Jahr als Serienproduktion im fränkischen Giebelstadt von rund 600 Mitarbeitern in einer der modernsten Yachtbauanlagen weltweit produziert. Und gerade das macht diese Schiffe zu absolut perfekten Exponaten. Damit soll handwerkliches Geschick und Fähigkeit nicht in Abrede gestellt werden. Dennoch, jeder Roboter, jede von 3D-Software überwachte CNC-gesteuerte Fräs- oder Bohrmaschine, wird menschliche Ausdauer und Genauigkeit auf Sicht ins Hintertreffen geraten lassen. Hinzu kommen klimatisierte Laminierbereiche, automatische UV-Trocknungs-Lackierstraßen und eine ausgeklügelte Lasertechnologie.

Damit ist jedoch das Ende der Fahnenstange in Bezug auf die Qualitätssicherung längst nicht erreicht. Bavaria unterhält zudem ein hauseigenes Testzentrum. Dort werden unter anderem regelmäßig praxisbezogene Maschinenchecks, Stabilitäts-  und Krängungstests absolviert, dokumentiert und überwacht vom werksinternen Qualitätsmanagement.

Wer nun aber glaubt, dass Eigner wegen des hochtechnisierten Fertigungsablaufes auf Individualität verzichten müssen, der befindet sich auf dem Holzweg. Bavaria ist stets bemüht, Kundenwünsche, Wertbeständigkeit und Komfort unter einen Hut zu bringen. Und dies gelingt in der Regel problemlos angesichts der schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten an Ausstattungs- und Zubehörvarianten.

Fahreigenschaften

Wenn man so will, ist die Bavaria 29 Sport ein Kompromiss – aber was für einer! Dieses Boot wandelt all jene Zögerlichkeiten, die bei unentschlossenen Eignern zuweilen vorhanden sind, ins Positive um. Sportliches Fahren, wie mit einem rassigen Sportboot, unbekümmert Spaß haben mit der ganzen Familie, leichtgängiges Handling, viel Bewegungsfreiheit an und unter Deck in Relation zur Schiffslänge und sich dennoch nicht aufwändig um die große Yacht kümmern zu müssen. All das vereint der der Testproband auf sich.

Sonor blubbern die vier Zylinder des Volvo Penta-Diesel, D4-300 im Leerlauf vor sich hin. Getriebe eingekuppelt, mit 700 U/min tuckern wir auf Schwäbische Meer hinaus, das GPS signalisiert 7,6 km/h (4,1 kn). Die letzte Bake nach der Hafenausfahrt zeigt an, „ready for take off“. Nun denn, Hebel auf den Tisch, den Antrieb dicht an den Spiegel getrimmt, die Flaps nach unten gestellt. Gut zehn Sekunden verrinnen und die „29“ plant mit 28,1 km/h (15,2 kn) aus ruhender Position über die Wellen des Bodensees, begleitet vom dezenten Pfeifen des Turboladers. Drehzahl 2.250 U/min. Testparameter: Crewstärke drei Personen, kein Urlaubsgepäck, die Tanks zu 60% gefüllt. Dennoch, um knapp fünf Tonnen Testgewicht mit 1 x 221kW (300 PS) in diese Fahrstufe zu katapultieren, das kann sich durchaus sehen lassen. Dank der Z-Antriebs- und Trimmklappenposition vollzieht sich der Start völlig problemlos, der Mann an der Haspel wird in keinem Moment der Beschleunigungsphase durch sichtbehinderndes Bugansteigen in seinem Blickfeld eingeschränkt. Kraftvoll schiebt der Duoprop vom Typ „VA G3“, die Bavaria nach vorn.

Wir nähern uns der 3.000er Drehzahlmarke. Höchste Zeit, die Trimmklappen auf neutral zu positionieren und gefühlvoll den „Z“ in die Mitte des möglichen Anstellwinkels zu hieven. Das Vorschiff beginnt leicht zu wippen, etwas zu viel des Guten, leicht reduzieren – auch die Drehzahl – 2.700 U/min liegen an, ideale Marschfahrt mit 41,5 km/h (22,4 kn).

Doch da ist ja noch mehr drin. Mit unverändertem Trimm ran an Vmax. Würde man dies aus dem Stand zelebrieren, kämen dabei etwa 25 Sekunden zusammen. Mit „Anlauf“ hingegen sind’s deren nur noch zehn bis 15, je nach Wasserverhältnissen. Der Drehzahlmesser pendelt sich bei 3.400 U/min ein, 67,3 km/h (36,3 kn). Da kann nicht gemeckert werden.

Unter diesen Vorzeichen rein in den Kurvenradius über Bb. Warum erst über Bb.? Keine Ahnung, der Chronist macht’s immer so, reine Gewohnheit. Egal, zunächst mit gemäßigtem Rudereinschlag, dann immer enger gezogen, gleichzeitig auch den Trimmwinkel des Z-Antriebes zum Spiegel hin reduziert. Selbige Prozedur folgt über Stb. Kein Einhaken, kein achterliches Wegschmieren, satt und spurtreu folgt der Rumpf dem ihm vorgegebenen Kurs.

Ohne sonderlichen Kraftaufwand das hydraulische Ruder wieder in Geradeausposition gerichtet, holt die „29“ in der Kurve verlorenen Speed sofort auf und reitet souverän die Wellenkämme des Bodensees ab. Auch durch schnelle, slalomartige Ruderbewegungen ist das Unterwasserschiff nicht zu beeindrucken, geschweige denn in Verlegenheit zu bringen. Dies gilt ebenso für die Spiegel belastende Tortur, mit aller Macht dem Propeller Kavitations-Ausreißer entlocken zu wollen. Ruder hart legen und aus ruhender Position die Gaszufuhr sukzessive bis Volllast steigern. Ergebnis im „medizinischen Sinn“: negativ. Nix rührt sich achtern, der Propeller bleibt „luftlos“. Chapeau!

Und wenn’s ums Einparken in engen Liegeplatz-Boxen geht, dann sind Kreisdurchmesser von 0,5 bis 1,5 Bootslängen in jede Richtung bei niedrigster Drehzahl, ohne Bemühen der Bugschraube, voraus oder nach achtern, sicherlich ebenso hilfreich, unterstützt von bester Rundumsicht am ergonomisch ausgerichteten Steuerstand. Absolutes Highlight die Manövrier-Joysticks von Volvo Penta oder MerCruiser, allerdings nur möglich bei Doppelmotorisierungen.  

Ausstattung  und  Verarbeitung

Ohne in gebetsmühlenartige Wiederholungen verfallen zu wollen, bei dieser Bavaria kann man getrost überall hinsehen. Sauberst verarbeitet das Finish an und unter Deck, sei es im gesamten Trittbereich mit Flexiteak, dem Mahagoniholz-Innenausbau, der aufwändigen Polsterung, sämtlicher Installationen technischer, elektronischer oder mechanischer Art. Ebenso pauschal sei auf die vielfältigen Staumöglichkeiten an Bord hingewiesen, deren Nutzung auch das kleinste Eckchen nicht entging.

Drei Stufen führen unter Deck. Backbords die Pantry mit zweiflammigem Gasherd (Ceranfeld alternativ möglich) Spüle und Kühlschrank. Aus absenkbarem Tisch und U-Sitzgruppe im Vorschiff wird Schlafplatz „+2“, Eigners ziehen sich zurück nach achtern in die sich unter dem Cockpitboden erstreckende Unterflurkabine mit separaten Betten und kleinem Sofa. Steuerbords schließlich die Sanitär-Kombination aus Dusche und WC.

Die Schiebetür an Deck verschwindet hinter dem Steuerstand, der Crew präsentiert sich eine kleine, jedoch feine Wohnlandschaft mit übersichtlichem Steuerstand an Stb., dahinter die Wetbar samt E-Grill und Kühlschrank und gegenüber ein großes, gemütliches Sitz-U. Wird dessen achterliche Rückenlehne in Fahrtrichtung geklappt, im Handumdrehen entsteht eine perfekte Sonnenliege für zwei Personen, darunter der aufgeräumte, servicefreundliche Motorraum mit Einstiegshilfe. Badeplattform mit integrierter Leiter runden diesen Schiffsteil ab.

Breite Gangbords für ein Boot dieser Größe machen den Weg frei aufs Vorschiff, abgesichert durch eine stabile Seereling. Elektrisch bedienbar der gut dimensionierte Anker unter einem fußfreundlichen Luk und üppigem Ankerkasten, flankiert von durchbrochener Reling, die das Aussteigen über Bug wesentlich erleichtert. Und über allem wacht der formschöne GfK-Geräteträger, bestückt mit Antennen, indirekter Beleuchtung und Lautsprechern.

Mein Fazit:

Viel Schiff, viel Komfort, viel Action, gepaart mit soliden Fahreigenschaften und Top-Qualität zum adäquaten Preis, so präsentiert sich der kleinste Vertreter der Bavaria-Motoryachten-Range, die 29 Sport. Idealer Begleiter für all jene, die auf eine gewisse Portion Yachtfeeling nicht verzichten wollen, sich aber auch viel Flexibilität bewahren möchten. Sei es hinsichtlich des schnellen Revierwechsels aber auch in Bezug auf das Handling.
Claus D. Breitenfeld
Bavaria Yachtbau Sport 29
Konstruktion/DesignBavaria
HerstellerlandDeutschland
Motorisierung Test KW (PS):Volvo Penta D4-300 221 KW (300 PS)
AntriebsartZ-Antrieb
Preis Standard/Testschiff:116263,-
  • 8,95m
  • 2,99m
  • 0,9m
  • k.A.m
  • 1x 191- 2x 191KW / 1x 260 - 2x 260PS
  • GFK
  • 520l
  • 120l
  • ca. 4800kg
  • B/C
  • 6/8
  • 1 +1
  • 2+2