Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey tauft das erste emissionsfreie Schubboot.

„Elektra“ – Schubschiff mit Brennstoffzellen

Brennstoffzellen und Batterien liefern die Energie für das Schubboot „Elektra“. Bis 2024 wird es zwischen Berlin und Hamburg im Betrieb erprobt.

Wasser ist die einzige Emission, die das Schubboot „Elektra“ selbst noch ausstößt. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) taufte das weltweit erste Schiff mit vollständig nachhaltigem Hybrid-Antrieb am 16. Mai im Berliner Westhafen.

Während Giffey und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) in ihren Reden in erster Linie sich selbst feierten und darüber rätselten, wo denn jetzt der Bug des Schiffes sei, berichtete Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Gerd Holbach von der Technischen Universität Berlin auch von Hürden und Hindernissen. Am Ende überwog jedoch der Stolz.

Großer “Bahnhof” für das neue Brennstoffzellen-Schubboot (Foto: Jan Maas)

Brennstoffzellen und Batterien

Brennstoffzellen und Batterien liefern die Energie für den Schiffsantrieb, das Schieben von Schubverbänden und das Leben an Bord. An Deck stehen drei Brennstoffzellen bereit, in der Bilge befinden sich zwei Batteriebänke. Dazu kommen mehrere Solarzellen.

Sofern der Wasserstoff und das Ladestrom aus „grünen“ Quellen kommen, kann die „Elektra“ als emissionsfrei gelten. Ihr Energiesystem ist so ausgelegt, dass es auf andere Binnen- und auch Küstenschiffe übertragbar ist.

An Deck der „Elektra“ ist Platz für 750 Kilogramm flüssigen Wasserstoff in Multiple Energy Gas Containern (MEGC). Damit und mit den rund 2500 Kilowattstunden Batteriekapazität hat die „Elektra“ eine Reichweite von mindestens 400 Kilometern.

“Ich taufe Dich auf den Namen ELEKTRA…” Berlins regierende Bürgermeisterin Giffey ließ die Schampus-Flasche am Rumpf zerplatzen und übergab das Schiff seiner neuen Bestimmung. (Foto: Jan Maas)

Schubboot von der Elbe

Gebaut hat die „Elektra“ die Schiffswerft Hermann Barthel GmbH in Derben in Sachsen-Anhalt, an einem Altarm der Elbe. Die Werft existiert seit 1799 und baut heute vor allem Behördenschiffe.

Dank eines Ladegalgens soll der regelmäßige Stromanschluss für die Crew recht einfach zu handhaben sein. Die armdicken Kabel wären andernfalls sperrig und schwer. Die MEGC-Container können mit dem bordeigenen Kran ausgetauscht werden.

„Elektra“ zwischen Berlin und Hamburg

Der Erprobungszeitraum dauert bis 2024. Zunächst findet der Erprobungsbetrieb vorwiegend in der Hauptstadtregion statt.

Ab 2023 werden die Erprobungsfahrten auf den Fernverkehr Richtung Hamburg ausgedehnt. Bis dahin sollen Ladestationen für die Batterien und den Tausch der Gasbehälter im Berliner Westhafen und im Hafen Lüneburg in Betrieb genommen werden.

Technische Daten:

Länge: 20 m

Breite: 8,25 m

Tiefgang: 1,28 m

Verdrängung: 130 t

Brennstoffzellen: 3 x 100 kW

Batterien: 2 x 1160 kWh (Antrieb) plus 2 x 116 kWh (Bordnetz)

Photovoltaik: 2,1 kWp

Motoren: 2 x 210 kW

Gesamtreichweite: min. 400 km