Feuer-Wächter im Motorenraum

Feuer an Bord gehört zu den größten Katastrophen, die einer Bootsbesatzung wiederfahren kann. Besonders tückisch sind Brände im Motorraum, denn sie werden oft erst spät entdeckt. Eine Löschanlage kann helfen, die Gefahr zu verringern und den Schaden klein zu halten.

Eine der spektakulärsten Rettungen der vergangenen Jahre fand 2017 mitten auf dem Atlantik statt. An Bord einer Segelyacht war im Motorraum ein Brand ausgebrochen, die zweiköpfige Crew wurde aus der Rettungsinsel von Rettungsfliegern der US-Air Force gerettet, das Schiff brannte aus und sank. In der Saison 2018 sorgten weitere Fälle für Schlagzeilen: Im September 2018 konnte ein Seenot-Rettungskreuzer der DGzRS die Besatzung einer Motoryacht auf der Ostsee im letzten Moment bergen, bevor die Yacht vollständig in Flammen aufging und schließlich versank. Auch vor Travemünde brach im Motorraum einer Motoryacht ein Feuer aus, die DGzRS übernahm die Crew und schleppte das Boot ein. Und auch SeaHelp hatte in der letzten Saison in Kroatien mehrere Einsätze, um Crews beizustehen, die durch Brände an Bord in ernste Schwierigkeiten geraten waren. Nicht selten befand sich der Brandherd im Maschinenraum, die Yachten waren z.T. Totalverluste.

Feuer und Rauch

Große Brände an Bord entwickeln sich oft aus kleinen Schwelbränden im Motorraum, die als solche erstmal gut zu beherrschen wären, aber von der Crew an Deck erst zu spät  bemerkt werden. Ausgelöst werden sie z.B. durch Schäden an der Elektrik, aber auch durch Selbstentzündung aufgrund sehr hoher Temperaturen im Motorraum, Standheizungen, Kraftstofflecks o.a. Bricht ein Schwelbrand im Motorraum aus, bemerkt der Skipper das oft erst, wenn der Rauch aus dem Motorraum bereits nach außen dringt. Die dann folgende Vorgehensweise der Crew ist zwar nachvollziehbar, aber im wahrsten Sinne „brandgefährlich“!  Beim Versuch der Ursache der Rauchentwicklung auf den Grund zu gehen und ggf. entsprechende Löschmaßnahmen mit Feuerlöschern u.a. einzuleiten, wird die Luke zum Motorraum geöffnet. Das Tückische an der Situation jedoch ist: So ein Schwelbrand läuft in der Regel unter Sauerstoffabschluss ab. Es bilden sich aber dennoch durch die sog. Pyrolyse brennbare Gase, die sich im Rauch im oberen Bereich des Raumes sammeln.  Zudem herrscht im Motorraum im Vergleich zu den Umgebungsbedingungen außerhalb unter Umständen sogar ein leichter Unterdruck, da der Sauerstoff im Maschinenraum durch das Feuer verbraucht wurde.

Die Crew als „Brandbeschleuniger“

Öffnet die Crew jetzt die Klappe zum Motorraum, findet ein Druckausgleich statt, bei dem Sauerstoff aus der Außenluft in den Motorraum einströmt und mit den Gasen ein zündfähiges Gemisch bildet, das sich an den vorhandenen Glutnestern entzündet. So wird die Crew zum „Brandbeschleuniger“ und es entsteht beim Öffnen der Motorraum-Abdeckung eine gefährliche Explosion mit ernster Gefahr für Leib und Leben. Es kommt erst zum sog. Rollover, bei dem aufgrund der in der Rauchschicht angesammelten Pyrolysegase eine Durchzündung der Rauchschicht stattfindet. Beim anschließenden sog. Flashover zünden alle brennbaren Oberflächen im Raum durch die Strahlungswärme der Rauchgasschicht. Aus dem lokal begrenzten Entstehungsbrand ist ein flächendeckender Vollbrand geworden – mit anderen Worten: Die Yacht brennt lichterloh!

Ein Patentrezept, wann die Motorabdeckung noch geöffnet werden kann und wann es besser ist, in sicherer Entfernung die weitere Entwicklung abzuwarten, gibt es nicht, da sich die Brandsituation im Motorraum von außen nicht einschätzen und bewerten lässt.

Seenotrettungskreuzer NIS RANDERS mit Tochterboot ONKEL WILLI der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbruechiger (DGzRS) im Einsatz für ein brennendes Motorboot auf der Ostsee am 6. September 2018 (Foto:DGzRS- Die Seenotretter)

Frühwarnung und Schadensbegrenzung

Diese „brenzlige“ Eskalation der Situation  kann vermieden werden, wenn geeignete Löschvorrichtungen im Motorraum installiert sind. Die häufig werftseitig installierten Feuerlöscher mit zwei Litern Fassungsvermögen, die außerhalb des Motorraumes angebracht sind und von dort ausgelöst über eine Zuleitung  ein Löschmittel in den Motorraum sprühen, sind schon aufgrund der geringen Menge bzw. der Effizienz des Löschmittels oft wenig wirksam. Zudem können sie naturgemäß nicht zielgerichtet auf den Brandherd gerichtet werden. Besser sind z.B. spezielle Aerosol-Löschgeneratoren, die entwickelt wurden, um Räume bereits beim Ausbrechen des Entstehungsbrandes mit einem umweltfreundlichen, nicht-toxischem Aerosol, das den chemischen Verbrennungsprozess unterbricht, zu fluten. Bei diesem Prozess wird der Umgebung kein Sauerstoff entzogen. Die Brandbekämpfung findet so bereits in der Entstehungsphase statt, sodass die Ausbreitung des Feuers verhindert wird. Da es sich bei dem Löschmittel um ein Aerosol handelt und keine Löschpulver, Schäume oder Flüssigkeiten verwendet werden, sind auch Folgeschäden durch das Löschmittel  an der Motoren- oder den elektrischen Anlagen ausgeschlossen, sodass – abhängig vom Auslöser des Brandes und des verursachten Brandschadens – die Yacht ihre Fahrt nach dem Löschen des Brandes u.U. sogar aus eigener Kraft fortsetzen kann.

Bricht im Motorraum ein Brand aus, wird an Bord ein Alarm gegeben. Je nach Größe des Motorraumes lösen einer oder mehrere Löschgeneratoren automatisch aus, oder können optional manuell z.B. vom Fahrstand von der Crew aktiviert werden.

Einfach installiert – vielfach zertifiziert

Die Auslösung der Löschgeneratoren geschieht elektrisch oder thermisch. Beim thermischen System ist die Detektions-/Auslöseeinheit direkt am Löschgenerator integriert. Dieses wird einfach im Motorraum installiert, die Wartung beschränkt sich maximal auf den jährlichen Batteriewechsel, je nach gewähltem Modell.

Das elektrische System verfügt üblicherweise über eine Steuereinheit, die außerhalb des Motorraumes installiert wird und  mit den entsprechenden Brandmeldern, wie z.B., Temperatur-Feuermelder, Temperaturfühler, Rauchmelder, Handauslösetaster verbunden werden kann. Löschgeneratoren und Brandmeldezentrale werden als fertige und kompakte Einheiten geliefert und können von einem fachkundigen Elektriker installiert und angeschlossen werden. Bereits im Basis-Kit wird der Skipper beim Überschreiten einer bestimmten Temperatur optisch und akustisch über einen Alarm informiert und kann den Löschgenerator dann per Hand z.B. vom Fahrstand aus auslösen.

Je nach Raumgröße können einer oder mehrere in unterschiedlichen Größen erhältliche Löschgeneratoren montiert werden. Die Entstehung eines Brandes und die Auslösung der Anlage kann der Crew durch optische und akustische Signale angezeigt werden.

Der modulare Aufbau des Systems ermöglicht eine Anpassung an die Gegebenheiten an Bord, z.B. manuelle und/oder automatische Auslösung, und an die Ansprüche des Eigners. Die Technik und Ihre Komponenten besitzen, je nach Auswahl und Anforderung, unterschiedliche technischen Abnahmen und Zertifikate, so z.B. des Umweltbundesamtes, DMT (Testinstitut des TÜV Nord) oder verschiedener Klassifikationsgesellschaften, z.B.  Germanischer Lloyd (GL), Registro Italiano Navale (RINA), ABS (American Bureau of shipping).

Die Größe der Löschgeneratoren und die Art der Auslösemechanismen können an die Bedürfnisse an Bord angepasst werden. (Foto: Dynamit Nobel Defence)

Aus der Raumfahrt aufs Sportboot

MotorBoot Online im Gespräch mit Reiner Koschel, Technischer Leiter der EGON HARIG GmbH aus Oststeinbek nordöstlich von Hamburg. Das Unternehmen ist seit über 50 Jahren auf die Entwicklung, den Bau und den Vertrieb von anspruchsvoller Brandmelde- und Löschtechnik spezialisiert. Die Ausrüstung von Sportbooten und Yachten mit Löscheinrichtungen ist nur einer der zahlreichen Bereiche in denen die EGON HARIG GmbH neben zahlreichen weiteren professionellen und privaten Anwendungen tätig ist.

MotorBoot Online:

Herr Koschel, seit wann wird Aerosol in Löschgeneratoren eingesetzt und können Sie uns kurz das Funktionsprinzip skizzieren?

Reiner Koschel:

Die ursprüngliche Entwicklung und Einsatz erfolgte im Rahmen des russischen Sojus-Raumfahrtprogrammes ab Mitte/Ende der 60er Jahre. In Deutschland setzen wir die Technologie inzwischen seit mehr als 15 Jahren ein.

Die Löschwirkung beruht auf der Unterbrechung der chemischen Kettenreaktion des Verbrennungsvorgangs durch Kaliumcarbonat, eine ungiftige chemische Verbindung, welche auch in der Lebensmittelindustrie unter der Bezeichnung E501 bzw. Pottasche eingesetzt wird. Dies erklärt auch einige der wesentlichen Vorteile, wie insbesondere KEINE Sauerstoffverdrängung, NICHT toxisch, ZERO Ozone Depletion Potential. 

MotorBoot Online:

 Für welche Brandklassen ist das Löschmittel geeignet?

Reiner Koschel:

Für die Brandklassen A,B,C und F, also NICHT für Metallbrände.

MotorBoot Online:

Die Installation einer Löschanlage im Motorraum wird von Vielen mit einem großen Installations-Aufwand durch Rohrleitungen, Druckbehälter usw. und entsprechend hohen Kosten in Verbindung gebracht und steht von daher nicht unbedingt auf der Nachrüstliste der Bootseigner. Wie groß sind der technische Aufwand und der Kostenrahmen bei der Nachrüstung der Löschgeneratoren im Vergleich?

Reiner Koschel:

Mit konkreten Preisvergleichen sind wir zurückhaltend, da hier jeder Wettbewerber natürlich eine ganz eigene Sicht auf die Dinge hat.

Unser (elektrisches) System besteht aus, je nach benötigtem Löschvolumen, kombinierbaren Löschgeneratoren, welche rein elektrisch angeschlossen und ausgelöst werden. Diese unterliegen auch keiner Druckbehälterverordnung. Somit kann das System durch jede eingewiesene Elektrofachkraft installiert und später auch gewartet werden – ein nicht unerheblicher Preisvorteil über die Systemlebenszeit.

MotorBoot Online:

In welchen Intervallen müssen die Komponenten gewartet werden?

Reiner Koschel:

Vorgeschrieben ist eine jährliche Wartung. Bei den einfachsten Systemen (ohne Elektrik) beschränkt sich diese auf eine Sichtkontrolle auf äußere Schäden, bei den elektrischen Systemen ist weiterhin die (elektrische) Funktion der Anlage zu prüfen und, falls vorhanden, die Batterie zu wechseln, bei einigen Modellen ist eine Widerstandsmessung durchzuführen. Eine weitergehende Prüfung der Löschmittelgeneratoren selbst ist nicht möglich, das ist wie beim Sylvester-Feuerwerk… 

Kontakt:

EGON HARIG GmbH

Gewerbering 4

D-22113 Oststeinbek

Telefon: +49 (40) 713 752-0

www.egonharig.de