Die Entdeckung der Einfachheit

Test Simrad Cruise Kartenplotter

Mit der Simrad Cruise Serie dreht der Hersteller Navico die Zeit quasi ein bisschen zurück. Und zwar in eine Dekade, in der die Bedienung elektronische Navigationsgeräte noch kein Studium der Softwareentwicklung voraussetzte. Bedienungsanleitungs-Verweigerer Christian Schneider unternahm einen Selbstversuch.

Ist die Simrad GO-Serie bereits darauf ausgelegt, dem Nutzer ein möglichst intuitives aber auch umfassendes Navigationsgerät an die Hand zu geben, geht das Downsizing mit den Modellen der Cruise Serie, die in den Größen 5,7 und 9 Zoll erhältlich sind, noch einen Schritt weiter.

Entwickelt für die Bedürfnisse der sog. „Basic-Boater“ will ein Simrad Cruise Nutzer in erster Line drei Dinge: Wissen wo er ist, wissen wie er sicher ans Ziel kommt, wissen wie es unter dem Boot aussieht und das alles bitte einfach, spontan und günstig.


Simrads neue Cruise-Serie punktet mit günstigem Preis, praxisgerechten Funktionen und einfacher Bedienung

Dementsprechend beschränkt sich die Ausstattung der Geräte auch letztlich auf die GPS-Funktionen für die Navigation und auf die Funktion eines modernen Sonargerätes und dessen Bildgebung. Damit werden die Basisfunktionen abgedeckt, die für eine sichere Navigation notwendig sind, und mit denen der Skipper theoretisch jeden Punkt auf der Welt ansteuern kann: Geschwindigkeit, Tiefe, GPS-Position, Kurs, Akkuladestand und Temperatur. Benutzer können zudem aus einer großen Auswahl an Kartenoptionen wählen, darunter C-MAP und Navionics, die auch erweiterte Funktionen wie C-MAP Easy Routing umfassen. Rund 400 Euro kostet das Einstiegsmodell mit 5 Zoll Bildschirmdiagonale mit einer Basis-Weltkarte. Alternativ sind ein 7 und ein 9-Zoll Gerät erhältlich, die mit ca. 500 bzw. ca. 650 Euro Online-Ladenpreis ebenfalls noch als Schnäppchen unter den Kartenplottern gelten dürfen.

Allemal da im Lieferumfang ein 83/200 kHz Sonar Geber bereits enthalten ist, der Sonarbilder und Daten erzeugt, die vielleicht bei denen einige Wünsche offen lassen, die das volle submarine Aufklärungs-Paket für die Jagd auf Nemo & Co benötigen, die für die sichere Navigation und für den Gelegenheits-Angler aber vollkommen ausreichend sind.

Weniger ist Mehr

Den intuitivsten und benutzerfreundlichsten Kartenplotter auf dem Markt auf dem Markt anzubieten verspricht der Hersteller. Doch der verwöhnte Smartphone und Tablet-User könnte auch lästern: Zurück in die Zeit der ersten Kartenplotter, denn nix ist mit Touchscreen und smarten Fingertipps.

In Sachen Bedienung beschränken sich die Simrad Cruise Plotter auf die Verwendung von Tasten und Drehschaltern. Das hat aber durchaus praktische Hintergründe. Denn diese Kartenplotter wurden eher für kleinere, offene Motorboote wie RIBs, Sportboote oder kleine Cabin-Cruiser entwickelt. Wer schon einmal versucht hat, auf einem offenen Boot einen mit einer Schicht aus Salzwasser, Sonnencreme und Fingerfett beschmierten Touchscreen zu bedienen, der weiß um den Wert eines soliden Druckknopfes.

Drehen und Drücken statt Tippen und Wischen: Die Cruise-Serie verzichtet auf Touchscreens. Die Bedienung ist intuitiv, die Symbolik eindeutig.

Mit der Verzichtsliste geht’s dann auch munter weiter: Wifi-Konnektivität? Fehlanzeige! Wofür auch? Ganz „analog“ sozusagen gibt’s an der Seite gut zugänglich und spritzwassergeschützt installiert einen Kartenslot für eine SD-Karte. Die W-Lan Verbindung im Hafen ist sowieso meist mies oder aber saugt ordentlich Datenvolumen übers Mobiltelefon aus dem Netz. Das Update der Karten oder die Routenplanung erfolgen daher entspannt via SD-Karte am PC zuhause. Auch NMEA-Schnittstellen und damit die Möglichkeit der Verbindung mit Autopilot, Radar & Co sucht man vergeblich. Wer diese Features will oder braucht, ist ab der Simrad GO Serie und aufwärts wieder am Puls der Zeit.

Einfach anwählbar: Die Basisfunktionen


Der Startbildschirm mit eindeutiger Symbolik und schneller Auswahl der Kartenansichten. In der unteren Reihe geht’s in die Konfigurations- und Einstellungsmenüs. Die Auswahl erfolgt über Drehen und Druck-bestätigen des oberen Druck-Drehschalters.

Beim Blick auf den Startbildschirm und die Bedienelemente wird schnell klar, worum es wirklich geht. Sechs mögliche Ansichten kann der Nutzer mittels des satt ansprechenden Dreh-Druckschalters anwählen und mit einem Druck auf den selbigen bestätigen. Deren Inhalte sind bereits über die Symbolik auf dem Startbildschirm eindeutig dargestellt. Los geht’s mit der klassischen Navigations-Ansicht der Seekarte, die für die Positionsbestimmung, das Setzen von Wegepunkten, der Routenplanung, usw. genutzt werden kann , als zweites kann eine Ansicht des Sonargerätes und damit der Situation unter dem Boot angewählt werden, in der dritten Ansicht ist die Kartennavigation inklusive der Einblendung einer Kompassfunktion und des Steuerkurses, des Kurses der gesteuert werden soll, um den nächsten gespeicherten Wegepunkt zu erreichen, sowie einer Pfeilanzeige in Richtung der notwendigen Kursänderung u.a. verfügbar. Eine Reihe darunter können diese Ansichten in den möglichen Kombinationen als zweigeteilter Bildschirm dem sog. Splitscreen angewählt werden. Das beinhaltet: Karte und Sonar, Navigationsansicht und Sonar und die Kartenübersicht plus dem Navigationsbereich.

Immer gegenwärtig auf einer übersichtlichen Datenleiste am Rand: Die wichtigsten Navigationsdaten wie Geschwindigkeit und Kurs über Grund, Wassertiefe, Temperatur u.a.

Diese Basisfunktionen können natürlich sowohl in Bezug auf die reinen Gerätefunktionen wie Bildschirmhelligkeit, Kontrast, farbliche Darstellung usw. als auch in Bezug auf die Detaileinblendung auf der Seekarte, die Auswahl der angezeigten Navigationsdaten individuell angepasst und eingestellt werden.

Verschiedene Split-Screens erlauben kombinierte Ansichten….
Hier: Navigation und Karte bzw. Navigation und Echolot.

Eine Reihe darunter und auch direkt anwählbar geht’s in die Geräteeinstellungen, die Speicherorte für Routen, Daten usw., Wegepunkt- und erweiterte Navigationsfunktionen, Tidenkurvenanzeigen. Logisch aufgebaute Menüs erleichtern den intuitiv zu findenden Weg. An- und ausgewählt werden alle Punkte und Einstellungen ausschließlich durch die Drucktasten und den Drehschalter am rechten Rand des Gerätes. Bekannte Symbole wie z.B. den auf dem Kopf stehenden Tropfen für einen Wegepunkt, den Haken für die Bestätigung einer Auswahl, drei Balken für das Aufrufen von Funktionsauswahlen oder Kästchen für Menüstrukturen kennen wir aus der Benutzung verbreiteter digitaler Inhalte wie z.B. Google Maps, E-Mail Programmen usw. vom Smartphone, Computer oder Tablet, sodass auch hier die Bedienung wieder selbsterklärend ist. Zudem geben entsprechende Icons am Rand des Bildschirms im Bearbeitungsmodus Auskunft darüber, welche Funktionen zur Auswahl stehen.

Sinnvolle Features

Man sollte sich allerdings von der eher simpel zu erreichenden ersten Ebene nicht (ent)täuschen lassen: Jeder, der Spaß daran hat, etwas tiefer in die Gerätefunktionen einzusteigen, wird feststellen, dass ein hoher Grad der Individualisierung möglich ist.

In der unteren Menü-Ebene sind zahlreiche sinnvolle Zusatzfunktionen und Einstellungen einfach konfigurierbar.

Zahlreiche weitere nützliche Funktionen stehen zur Verfügung: So ist neben der individuellen Erstellung von Routen über Wegepunkte natürlich eine Auto-Routing-Funktion verfügbar, die anhand der vorher eingestellten Daten des Bootes selbsttätig einen sicheren Kurs zum Erreichen eines Zielwegepunktes berechnet. Auch das Abspeichern ausgewählter Routen, das Tracking der gefahrenen Route und Distanzen u.v.m. sind natürlich möglich. Auch die Darstellung der Karte lässt sich in verschiedenen Auflösungsstufen anpassen, ohne dass wichtige Infos für einen sicheren Kurs fehlen, einstellbare Alarme für geringe Wassertiefen und weitere sinnvolle Funktionen ergänzen das Angebot.

Auch Tidenkurven sowie Sonnenauf- und Untergang sind für verschiedene Standorte abrufbar.

Der Lieferumfang umfasst den enthaltenen 83/200 kHz Sonar Geber, der mit Frequenz-Optionen von 83kHz oder 200 kHz, Medium und High- CHIRP-Sonar und einer automatischen Tiefenverfolgung eine sehr gute Darstellung bietet, ohne dass eine Feinabstimmung oder Vorprogrammierung nötig ist. Die Installation ist einfach: lediglich Strom- und Sonarkabel müssen angeschlossen werden. Und auch die Darstellung möglicher Fische unter dem Boot ist ausreichend, um dem Petrijünger aufschlussreiche Infos für eine erfolgreiche Fangfahrt zu geben.

Das Sonar bietet verschiedene Frequenzeinstellungen und Darstellungen sowie eine Anzeige möglicher Fische als Info für den Gelegenheitsangler.

Solide Haptik, einfacher Prozessor

Die Geräte selbst sind natürlich spritzwassergeschützt und für die Außenmontage sowohl als Auf- oder Einbaugerät geeignet. Haptisch wirken die Plotter ansprechend und solide, der Monitor ist auch bei grellem Sonnenlicht gut ablesbar und auch aus seitlichen Blickwinkeln (bis 70°) gut erkennbar, die großen gummierten Tasten haben einen weichen, gut fühlbaren Druckpunkt.

Der Prozessor entspricht dem von der Käuferzielgruppe erwarteten günstigen Preis. Für den Aufbau der Kartendarstellung beim Wechseln der Ansichten oder Zoomen gönnen sich die Simrad Cruise Geräte einen kleinen Moment. Und auch der Auto-Routing Funktion sollte man nicht zu schwere Aufgaben stellen, und komplexe Routen über Hindernisse, Landmassen o.ä. planen, ansonsten kann die Berechnung der Route dauern. Letztlich ist das aber verschmerzbar, da es die Funktionalität der Geräte und die Sicherheit der Navigation in der Praxis nicht beeinträchtigt.

Ideal für offene Sportboote und gute Integration ins Dashboard der Jeanneau Cap Camarat 6.5: Simrad Cruise 9

Fazit

Knopf drehen und/oder drücken und losfahren. Elektronische Navigation kann so einfach sein. Für alle, denen intuitive Bedienung wichtiger ist als Konnektivität & Co, oder die eine sichere elektronische Navigationsmöglichkeit zum günstigen Preis suchen, sind die Simrad Cruise Plotter eine gute Wahl. Für Sportboote, RIBs und Daycruiser dürften die Funktionen der Simrad Cruise Reihe mehr als ausreichen. Umso mehr, als das die auf den ersten Blick einfach ausgestatteten Geräte in der zweiten Ebene dann doch über zahlreiche nützliche Zusatzfunktionen verfügen. Wer mit der Bedienung eines Tablets oder Smartphones vertraut ist, der kommt auch mit der Bedienung der Simrad Cruise Plotter klar, ohne vor oder während der Navigation dicke Handbücher wälzen zu müssen.

www.simrad-yachting.com/de-de/