Corona Lockerungen:

Leinen los in Schleswig-Holstein

Frust im Süden – Lust im Norden: Während die Wassersportler im Süden der Republik noch sehnsüchtig über den See blicken, ging es am Montagmorgen um 6 Uhr ganz oben im Norden Deutschlands, im Olympiahafen von Schilksee endlich los: Die ersten Sportboote seit der Corona-bedingten Hafenschließung rollten an die Kräne. Die Gurte wurden angelegt, und die Boote in das Hafenbecken gehievt.

von Ralf Abratis

Es läuft gut an: “Wir haben in den vergangenen Tagen intensive Vorbereitungen getroffen, Absperrungen aufgebaut und die genauen Wege und Regeln festgelegt“, berichtet Philipp Mühlenhardt, Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH. Bis zum 18. Mai wollen die Mitarbeiter der neun Kieler Sporthäfen im Akkord arbeiten, um die Boote in das Wasser zu kommen. In 14 Tagen soll nun das Pensum geschafft werden, das sonst rund sechs Wochen in Anspruch nimmt. Mühlenhardt: „Als wir die Telefonleitungen für die Festlegung von Terminen freigeschaltet haben, waren wir in Nullkommanix ausgebucht.“ Im Anschluss an die konzertierte Aktion wird im Normalmodus weiter gekrant. „Wer ins Wasser will, den werden wir auch noch im Mai ins Wasser bekommen“, ist sich Mühlenhardt sicher.

Nun wird an sieben Tagen die Woche von 7 Uhr bis 19 Uhr gekrant. 15 Minuten pro Yacht ist in der engen Taktung vorgesehen. Tageweise kommt neben den beiden festen Kränen ein Mobilkran zum Einsatz, um den Andrang zu bewältigen. „Wir haben gebucht, was möglich war. Aber die Mobilkräne sind sehr nachgefragt und waren daher nicht immer verfügbar. Jetzt hoffen wir, dass das Wetter mitspielt und wir keinen Sturm oder Hochwasser bekommen.“

Als Engpässe bei den Arbeiten dürfte sich das Stellen der Masten darstellen, was mitunter deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als das Zuwasserlassen der Yachten. Und hier gilt es, besonders auf die Einhaltung der Corona-Regeln zu achte. Denn bei großen Anlagen stehen schon mal fünf, sechs Personen am Mast, die aber dennoch auf die Abstandsregeln achten müssen. Für das Kranen der Yachten lässt die Sporthafen Kiel GmbH in jedem Fall nur den Eigner und eine Begleitperson zu.

Auch der weitere Betrieb des Hafens läuft auf einen geregelten Ablauf zu. Um die Hygienevorschriften einhalten zu können, einen überfüllten Hafen zu verhindern und Übernachtungen an Bord einzuschränken, sieht die Landesverordnung vor, dass Gemeinschaftsräume und Duschen weiterhin geschlossen bleiben. Die Toiletten sollen nur tagsüber offenstehen. „Einige Vorschriften sind deutlich am Grünen Tisch entstanden und wir müssen sehen, wie das in der Praxis umzusetzen ist. Aber wir werden penibel darauf achten, dass die Vorschriften eingehalten werden, denn wir wollen den Vertrauensvorschuss nicht verspielen und uns in den Fokus der öffentlichen Kritik begeben“, sagt Mühlenhardt und sieht darin ein deutliches Eigeninteresse des Betriebes: „Wir werden massiv darauf achten, unser Personal zu schützen. Ausfälle wären fatal.“

Mit der Öffnung der Häfen in Schleswig-Holstein können auch die Gastlieger wieder in das Land reisen, um ihre Boote ins Wasser zu bringen und auch zu betreiben.