Revier-Infos Niederlande 04/2019

Zentrale Brückenbedienung in Nordholland, Unterwegs mit einem offenen Boot, Gezeitenpark am Wilhelminahaven, Arbeiten an Zuid-Willemsvaart, Sperrungen, u.v.m.

von Ingrid Bachmann

Zentrale Brückenbedienung in Nordholland

Mitte Dezember 2018 wurde in Nordholland offiziell mit der zentralen Brücken- und Schleusenbedienung begonnen. Die Bedienungszentrale befindet sich in Heerhugowaard. Von dort  aus wird nun die erste Brücke Twee Zwanen in Schagen fernbedient.

Inzwischen laufen Vorbereitungen, um weitere Brücken umzustellen. Im ersten Qualtal 2019 ist die Zijperbrug in Schagen an der Reihe. Während der Saison werden keine weiteren Brücken umgestellt. Ab September bis Ende 2019 verbindet die Provinz Nordholland weitere acht Brücken mit der Zentrale in Heerhugowaard.

In den nächsten drei Jahren sollen von hier aus insgesamt 43 Brücken und Schleusen bedient werden. Dabei handelt es sich um Brücken und Schleusen der Provinz, der Wasserbaubehörde Rijkswaterstaat, Port of Den Helder und die der Recreatieschap Spaamwoude.

Man geht in den kommenden Jahren dazu über, die Brücken und Schleusen nicht nur zentral, sondern auch 24 Stunden pro Tag zu bedienen. Damit soll der Durchfluss des Schiffsverkehrs verbessert werden. Auch hoffen die Behörden, damit den Warenverkehr auf dem Wasser anzuregen und somit einem Beitrag zum Umweltschutz beizutragen.    

Unterwegs mit einem offenen Boot

Wasserwandern mit der offenen Sloep (Foto: NBTC)

Das Interesse an offenen Booten hat in den letzten Jahren zugenommen. Mit dazu beigetragen haben in den Niederlanden nicht zuletzt die sogenannten „Sloepen“ (Schaluppen). Aufgrund ihrer niedrigen  Durchfahrtshöhe und des geringen Tiefgangs lassen sich damit Kanäle und Seen abseits der großen Wassersportgebiete erkunden. Dazu gehören unter anderem auch die Hollandse Plassen.

Da sie sich sehr gut auch für mehrtägige Touren eignen, ist das Projekt „Meerdags Varen“ (Mehrtägige Bootstouren) entstanden.

Verschiedene der Branchenorganisation HISWA angeschlossene Unternehmen haben sich zusammengetan, um das Projekt zu fördern und entlang des Sloepennetzwerks auch Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten.

Ob Kurzurlaub oder verlängertes Wochenende: man will Bootsfahrern im Hollandse Plassengebiet künftig eine Vielfalt an Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Die Palette der Unterkünfte soll vom Hotel, Bed & Breakfast, über einfache Campinghäuschen bis hin zum „Dobberhuisje“ einem autarken Holzhäuschen auf dem Wasser reichen. In einem Dobberhuisje können bis zu vier Personen übernachten. Auf 35 qm verteilen sich Küche, Wohn- und Schlafraum, Warmwasserdusche und Toilette. Schmutz- und Abwasser werden in Tanks aufgefangen, Strom durch Sonnenenergie gewonnen.

Die ersten schwimmenden Häuschen befinden sich im Yachthafen Marnemoende in Ijsselstein, in Niewkoop und in Alphen aan den Rijn. Weitere sollen in anderen Gemeinden folgen.               

Gezeitenpark am Wilhelminahaven

Nachdem die Vorbereitungsphase abgeschlossen ist, kann die Wasserbaubehörde Rijkswaterstaat  gemeinsam mit der Gemeinde Schiedam mit der Verwirklichung eines Gezeitenparks am  Wilhelminahaven beginnen.

Das Projekt wird in Phasen ausgeführt. Als erstes bekommt der Hafen naturfreundliche Ufer. Außerhalb des bestehenden Kais werden eine kurze Spundwand und dahinter eine flach verlaufende Böschung errichtet. Auf diese Weise können durch Ebbe und Flut Zonen mit unterschiedlichen Wassertiefen entstehen. So wird nicht nur die Entstehung neuer Pflanzenarten ermöglicht, sondern auch die Wasserqualität der Nieuwe Maas verbessert. Die Arbeiten werden im Frühjahr in Angriff genommen.

In den Sommermonaten wird das angrenzende Gelände so umgebaut, dass es eine Verbindung zwischen Hafen und Stadt darstellt. Damit der gesamte Bereich einen großzügigen Blick aufs Wasser erlaubt, wird die Begrünung um das Schwimmbad beseitigt. Auch eine Promenade, die zu Spaziergängen einlädt und auf der Veranstaltungen stattfinden können, ist vorgesehen. Wenn die Arbeiten nach Plan verlaufen, gibt es in Schiedam Ende 2019 einen neuen Gezeitenpark.                                                                                                                              

Insel Dode Hond wird instandgesetzt

Die im Eemmeer gelegene Insel Dode Hond wird instandgesetzt. Ende 2018 wurde das Strauchwerk gründlich zurückgeschnitten und auch der Bärenklau entfernt.

Der durch Sturmschäden abgesackte Kai an der Südseite der Insel wird erneuert, sodass Sportboote Anfang der Saison wieder gefahrlos ein- und ausfahren können.

Gleichzeitig werden an der Nordseite des Binnenhafens der Kai mit einer neuen Spundwand und die Schwimmstege mit abgesenkten Anlegeplätzen speziell für Kanus versehen.                          

Arbeiten an Zuid-Willemsvaart

Anfang März hat Rijkswaterstaat an den Ufern der Zuid-Willemsvaart in Nederweert mit Instandhaltungsarbeiten begonnen. Die veralteten Holz- oder Beton-Spundwände werden zwischen Schleuse 15 in Höhe von Molenberg und Schleuse 13 in Höhe der Landbouwstraat durch Stahlkonstruktionen ersetzt. 

Die Arbeiten finden wochentags zwischen 07:00 und 19:00 Uhr mit Pontons, Kränen und Arbeitsschiffen größtenteils vom Wasser aus statt. Im Laufe des Sommers finden ähnliche Arbeiten in der gesamten Zuid-Willemsvaart bis Veghel statt. Die Arbeiten sollen im August 2019 abgeschlossen sein. Im Anschluss daran sind Instandhaltungsarbeiten im Wilhelminakanal zwischen Beek, Donk und Tilburg geplant.                                                                                                          

Keine Sandgewinnung vor Oudemirdum

Mit ihrem Nein gegen eine Sandfabrik auf einer künstlich aufgeschütteten Insel vor der friesischen Ijsseslmeerküste vor Oudemirdum hat die FNP-Fraktion die Pläne, hier 30 Jahre lang bis zu zwei Millionen Tonnen Sand zu gewinnen, torpediert. Ohne die Stimmen der sieben Nationalen im Gemeinderat von De Fryske Marren kam keine Mehrheit für dieses Projekt zustande. Die Partei hat sich für ihre Entscheidung lange Zeit gelassen. Mit einer Zustimmung zur Sandgewinnung hätte sie sich unglaubwürdig gemacht, da ihr Wahlprogramm u. a. auch den Erhalt von Natur und öffentlichem Raum enthält.

Bewohner entlang der Ijsselmeerküste, Naturschützer, der Verband der Wassersportbranche HISWA und andere Organisationen, die Einspruch gegen die Pläne eingelegt haben, begrüßen das Aus der Sandgewinnungsanlage im Ijsselmeer. Ob das Projekt damit endgültig abgehakt ist, kann noch nicht abschließend gesagt werden. Das involvierte Unternehmen hat sich weitere Schritte vorbehalten. Auch wird erwogen, die Gemeinde De Fryske Marren auf Schadensersatz zu verklagen. Schließlich wurde dem Unternehmen in der gesamten Planungsphase stets vermittelt, dass die Gemeinde keine Einwände gegen das Projekt hat. Die letzte Entscheidung wird wohl den Gerichten zufallen.          .

Verbindung zwischen Hilversum und Loosdrecht

Die Gemeinde Wijdemeren erwägt eine neue Wasserstraße zwischen dem Hilversumskanal und den Loosdrechtse Plassen zu schaffen. Darauf hat die HISWA als Organisation der Wassersportbranche positiv reagiert. Es wird sich dabei zwar nur um eine kurze Fahrroute handeln, die allerdings wesentlich zur Verbesserung des Wassersports in der Region beitragen kann. Laut HISWA würde die Freizeitschifffahrt eine Verbindung über die Ost-Seite vom Loenenveense Plas bevorzugen. Dies unter Berücksichtigung der gestiegenen Nachfrage, die Natur vom Wasser aus zu erleben. Die verschiedenen Interessengemeinschaften befassen sich derzeit unter anderem auch mit dem Thema Elektro-Boote und Verhaltensregeln auf dem Wasser.                                                      

Weniger Öffnungen der Boskoopbrug

Ab 1. April 2019 testet die Provinz Südholland auf der Gouwe eine Verringerung der Öffnungen der Boskoopbrug. Allerdings verlängert sich die Zeit der Öffnung. Der Schiffsverkehr wird bei der Julianasluis und der Eisenbahnbrücke Alphen aan den Rijn/ Gouwesluisbrug in beide Richtungen gesammelt und dann durch gelassen. In der Hauptverkehrszeit dürfen Sportboote die Brücken nur gemeinsam mit der Berufsschifffahrt passieren. Es gibt dann keine gesonderten Brückenöffnungen für die Sportschifffahrt.

Auch außerhalb der Hauptverkehrszeit sollte die Sportschifffahrt möglichst mit der Berufsschifffahrt fahren, da Zeit gewonnen wird, wenn die Brücken gleich für mehrere Schiffe geöffnet werden. Dadurch wird die Anzahl der Öffnungsvorgänge verringert, jedoch bleiben die Brücken länger geöffnet.

Anfang 2020 soll dann über ein Maßnahmenpaket für die gesamte Region entschieden werden.

Wattenmeer-Häfen beliebt bei Wassersportlern

Seit 1982 wird an den sechs großen Schleusen zum Wattenmeer die ein- und ausfahrende Sportschifffahrt gezählt. Eine Auswertung der Besucherzahlen in der Bootssaison 2017 ergab im Vergleich zur Saison 2016 mit 83.801 Schleusenpassagen zwar einen leichten Rückgang, dafür war die Verweildauer in den Häfen aber länger. In den großen Yachthäfen stieg die Anzahl der Übernachtungen von einst 27.000 auf 90.000. Der Großteil der Bootstouristen blieb auf Texel, Terschelling und Vlieland. Diese drei Yachthäfen sind bequem über die breiten und gut betonnten Fahrrinnen zu erreichen. Positiv wird die Verlegung der betonnten Fahrrinne Blauwe Balg zwischen Ameland und Terschelling bewertet. Dadurch wurden Seehunde und Vögel weniger vom Schiffsverkehr gestört. Künftig werden weitere derartige Untersuchungen stattfinden, um festzustellen, inwieweit die Freizeitschifffahrt die Natur im Wattenmeer beeinflusst.                                                                                      

Sperrungen:

Erneuerung der Ufer bei Zuidhorn

An der Nordseite des Van Starkenborgkanals bei Zuidhorn werden Arbeiten an den Uferbesteigungen durchgeführt. Da die Arbeiten größtenteils vom Wasser aus stattfinden werden, muss die Schifffahrt  mit Beeinträchtigungen an den verengten Fahrwasserstellen rechnen. Mitte April 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.                                                            

Arbeiten an Schleuse Leidschendam

Seit Mitte November finden an der Schleuse in Leidschendam große Instandhaltungsarbeiten statt. Dafür wurde der südliche Teil der Brücke entfernt und durch eine Notbrücke ersetzt. Aus diesem Grund war die Brücke bis zum 15. Februar für die gesamte Schifffahrt gesperrt. Nach der Montage des renovierten Brückenteils wurden Blockzeiten für die Passage eingeführt. Ab dem 1. April 2019 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen und alle Sperrungen aufgehoben sein.      

Schleuse Driel gesperrt

Rihjkswaterstaat renoviert die Stauwerke im Nederrijn und Lek. Im Zuge dessen finden auch Arbeiten an der Schleuse Driel statt, die bis zum 8. Mai 2019 für die Schifffahrt gesperrt ist.

Während dieser Zeit muss der Schiffsverkehr auf den Fluss Waal ausweichen.