Gut gewartet ins Winterlager

Das Einwintern des Bootes erfordert Sorgfalt und Sachverstand. Wer sich hier nicht auskennt, wem die technischen Möglichkeiten fehlen, oder wer unsicher ist, sollte einen Fachbetrieb beauftragen. Jetzt ist auch eine gute Gelegenheit, gleich die nötigen Inspektionen durch die Servicewerkstatt durchführen zu lassen. Vieles kann der Skipper aber auch selber durchführen.

Rumpf

Grauer Himmel, graues Wasser – wenn der Herbst vor der Tür steht, geht die letzte Fahrt der Saison in Richtung Winterlager.
  • Spülen Sie den Rumpf gründlich mit Süßwasser ab. Beseitigen Sie Verschmutzungen und Bewuchs-Reste, solange sie noch feucht sind und sich leicht entfernen lassen.
  • Benutzen Sie Hochdruckreiniger, Bürsten und Lappen. Vermeiden Sie Beschädigungen des Gelcoats oder von Farben und Grundierungen durch scharfe oder abrasive Werkzeuge.
  • Untersuchen Sie den Rumpf und das Ruder und auf Beschädigungen, auf Osmose bei GFK-Booten, Korrosion bei Metallrümpfen oder Fäulnis und weiche Stellen bei Holzrümpfen. Achten Sie dabei besonders auf Stellen, die in der Saison nicht gut zugänglich und sichtbar sind wie der Unterwasserbereich aber auch z.B. unterhalb der Scheuerleiste, Rumpf-Fenster u.a.
  • Dokumentieren und markieren Sie die Beschädigungen, um die Stellen für die Reparatur später schnell wiederzufinden.
  • Überprüfen Sie das Ruderlager auf Spiel und Verschleiß.
  • Überprüfen Sie den Zustand der Opferanoden an Wellen und an Metallrümpfen und wechseln Sie sie ggf. aus. Wechseln Sie auch Anoden aus, die nach der Saison „wie neu“ aussehen und/oder überprüfen Sie ggf. den elektrischen Schluss zum Rumpf.

Motor

Ob Volvo Penta Diesel-Kraftpakete im Doppelpack im Motorraum oder ein 15 PS Außenborder am Heck – Wenn sie auch in der nächsten Saison zuverlässig laufen sollen, müssen sie im Herbst sorgfältig eingewintert werden.
  • Dieselkraftstoff mit Additiven vor der Bildung von Dieselpest schützen (Achtung! Bei bereits befallenem Diesel wirken diese Additive u.U. nicht bzw. verstärken das Problem noch!). Benzinstabilisator bei Benzinmotoren in den Tank füllen.
  •  Motor starten und etwas laufen lassen, damit sich die Additive auch im Kraftstoffsystem verteilen.
  • Bei älteren Motoren mit Vergaser, sollte dieser leer gefahren werden. Dafür wird die Benzinleitung vom Tank abgeklemmt oder der Benzinhahn geschlossen und der Motor so lange laufen gelassen, bis er abstirbt. Vorher sollte der Luftfilter abmontiert werden und während des Motorenlaufes etwas Konservierungs-Öl in die Lufteinlassöffnungen gesprüht werden, um der Korrosion im Inneren des Motors während des Winters vorzubeugen und bewegliche Teile zu schützen.
  • Zweitaktmotoren wird  über die lange Standzeit geholfen, indem die Zündkerzen herausgedreht werden und etwas Zweitakt-Öl in die Zylinder gegossen wird. Anschließend die Kerzen wieder hineindrehen, sicherstellen, dass die Zündung ausgeschaltet bzw. die Notstoppleine und die Zündkerzenstecker abgezogen sind, und den Motor über das Startseil oder den Anlasser von Hand etwas durchdrehen, um das Öl im Inneren zu verteilen. So wird vermieden, dass sich die Kolbenringe festsetzen. Anschießend den Luftfilter wieder anbauen und den ganzen Motor mit Motorkonservierungs-Öl einsprühen.
  • Nach dem Betrieb im Salzwasser, den Seewasser-Kreislauf des Kühlsystems ausgiebig mit Süßwasser spülen, um Salzablagerungen aus dem System herauszulösen. Dafür an den Seewassereinlass oder das Seeventil einen Frischwasseranschluss anschließen, der zuverlässig für ausreichende Kühlwasserzufuhr sorgt und Motor wenigstens 15 Minuten laufen lassen.
Nach dem Betrieb im Salzwasser sollten Motoren zum Saisonende mit Süßwasser gespült werden. Der Fachhandel bietet hierfür Aufsätze für einen Schlauchanschluss.  Manche Außenborder haben für diesen Zweck eine extra Anschluss wie z. B. die neuen Suzuki DF 25/30 (Foto: Suzuki)
  • Motoröl & Filter wechseln. Frisches Öl ist noch nicht von Rußpartikeln und Abrieb verunreinigt und sollte daher idealerweise vor dem Winter gewechselt werden.
  • Motor und Anrieb auf Undichtigkeiten überprüfen.
  • Zustand des Impellers der Wasserpumpe überprüfen und ggf. je nach Zustand oder Anzahl der Betriebsstunden austauschen.
  • Frostschutzmittel auffüllen: Frischwasser-Anschluss anschließen, Motor warm laufen lassen, damit der Thermostat sich öffnet und das Frostschutzmittel ins gesamte System gelangt. Motor stoppen, Frischwasser-Anschluss lösen, Motor starten und z. B. über den Schlauch am Seewasserfilter und über die Wasserpumpe ausreichend Frostschutzmittel in den Motor einsaugen lassen bis Frostschutzmittel am Auspuff austritt (nicht ins Erdreich oder ins Wasser gelangen lassen!) dann Motor stoppen. Achtung! Der Impeller der Wasserpumpe darf nicht trocken laufen!
  • Bei Zweikreiskühlung: Kühlmittel- und Frostschutzstand am inneren Kühlkreislauf mit der „Frostschutzspindel“ prüfen und ggf. nachfüllen.
  • Boot, Motor und den Antrieb sorgfältig reinigen. Antriebe, die im Salzwasser gefahren wurden, gründlich mit Süßwasser abspülen.
  • Kraftstoff-, Seewasser- und Luftfilter reinigen und ggf. wechseln.
  • Keilriemen und Schlauchleitungen auf Schäden überprüfen.
  • Zum Schluss: Zündkerzen herausschrauben, prüfen, ggf. wechseln und über die Einsätze und den Einlass des Luftfilters etwas Motor-Konservierungsöl in die Zylinder einsprühen.

Antrieb:

Die Anode unter der Kavitationsplatte von Außenbordern verhindert, dass galvanische Ströme das Metall des Motors zerfressen und wird stattdessen zersetzt. Ist diese Anode sichtbar und deutlich zerfressen, ist ein Austausch notwendig.
  • Gelenkwellen und Lager schmieren und fetten und auf Verschleiß und Beschädigungen überprüfen.
  • Mechanische Züge für Gas- und Schaltung auf eventuelle Beschädigungen überprüfen.
  • Weitere Betriebsflüssigkeiten prüfen und bei Bedarf ersetzen, bzw. Auffüllen (Getriebeöl/ Hydrauliköl für Steuerung und Trimm, Kühlmittel)
  • Sichtprüfung der Faltenbälge und Anoden am Antrieb und ggf. austauschen
  • Propeller auf Beschädigungen überprüfen.
  • Aufmerksamkeit verdienen der  Propeller und die Welle von Außenbordern. Demontieren Sie den Propeller und säubern und fetten Sie die Welle. Verwenden Sie beim anschließenden Anbau unbedingt einen neuen Sicherungssplint!

Achtung Verletzungsgefahr!

Bei allen Arbeiten am Propeller und der Welle ist sicherzustellen, dass der Motor nicht anspringen kann! Schalten Sie in den Leerlauf, entfernen Sie die Notstoppleine, achten Sie auf eine ausgeschaltete Zündung, ggf. Hauptschalter auf „Aus“ und ziehen Sie auch die Zündkerzenstecker ab!

  • Mit einer FettpresseFett über Schmiernippel ins Schaftlager nachdrücken. Benutzen Sie dafür auf alle Fälle seewasserbeständiges Bootsfett.
  • Auch die Bowdenzüge der Steuerung sind für etwas Pflege mit einem seewasserbeständigen und nicht verhärtenden Fett dankbar und quittieren dies mit leichtem Lauf.

Elektrik

Ein hochwertiges Ladegerät sorgt dafür, dass die Batterie den Winter gut übersteht (Foto: CTEK)
  • Batterie ausbauen, an einem frostfreien Ort lagern und an ein geeignetes Ladegerät mit Wartungs- und Erhaltungsfunktionen anschließen.
  • Elektrische Anschlüsse mit Korrosionsschutz (Kontaktfett bzw. Polfett) versehen
  • Zündkabel, Verteiler und Verteilerkappe trocken wischen und mit Wasser verdrängendem Kontaktspray einsprühen.

Weiteres

Auch die Sanitäranlagen müssen eingewintert und vor Frost geschützt werden.
  • Wasser aus Abscheidern an Brennstofftanks ablassen.
  • Frischwassertank, Warmwasserboiler, Pumpen  und Leitungen vollständig entleeren.
  • Toilette, Abwasser- und Fäkalientank entleeren und mit geeignetem Frostschutz, WC-Öl oder Desinfektionsmittel spülen.
  • Alle Seeventile auf Leichtgängigkeit und Schäden überprüfen, während des Winterlagers halb offen stehen lassen.
  • Auf gute Durchlüftung des Bootes während des Winterlagers achten.