Test Bénéteau Flyer 550 Sundeck: Schnell und familienfreundlich!

Sie wird im wahrsten Sinne des Wortes ihrer Typisierung in jeder Hinsicht gerecht, die „Bénéteau Flyer 550 Sundeck“. Eines der kleinsten Motorboote aus der umfangreichen Angebotspalette dieser traditionellen, französischen Werft, jedoch mit Pfiff und vielen Möglichkeiten.

Grob überschlagen bringt es Bénéteau auf eine beachtliche Produktrange von rund 50 Schiffen der unterschiedlichsten Art für die verschiedensten Bedürfnisse von Eignern, sei es die motorende, aber auch segelnde Klientel. Schiffe bis annähernd 60 Fuß werden in der nach neuesten, technischen Erkenntnissen arbeitenden Werft auf Kiel gelegt, deren traditionelle Wurzeln weit über 100 Jahre zurückreichen.

Eindrucksvoll die professionelle Präsentation der Werft auf ihrer Webseite, die verdeutlicht, mit welcher Intensität sich dieses Unternehmen in die Entwicklung eines jeden neuen Bootes stürzt, leidenschaftlich in der Suche nach immer neuen Kompromissen zwischen Geschwindigkeit, Komfort und Wohnlichkeit. Das Gebot der Stunde ist die Reduzierung der Gewichte und ihre optimale Verteilung an Bord.

Der gewaltige Fortschritt in der Entwicklung von 3-D-Modellen macht es möglich, diese direkt zur Herstellung der Form zu nutzen. Zwei Computer gestützte, fünfachsige Produktionsroboter werden seit 2003 in der Prototypen-Werkstatt eingesetzt. Sie bearbeitet gleichzeitig sämtliche Teile, die zur Realisation der Form erforderlich sind. Deren hohe Präzision, trägt ebenfalls dazu bei, wertvolle Zeit zu gewinnen.

In der Phase der Umwandlung der Materialien, macht sich zudem der technologische Vorsprung einer Werft bemerkbar. Auf diesem Gebiet hat sich Bénéteau ein riesiges Potential an Know-how angeeignet, das der Werft die absolute Beherrschung der Herstellung von großen Teilen aus Kompositen ermöglicht. Das technische Wissen, das sich bei der Herstellung von Tausenden von Bootsrümpfen und Decks, die entweder im Infusions (RTM)- oder im Injektionsverfahren (Vakuumverfahren) hergestellt wurden, eingestellt hat, ist sprichwörtlich. Diese Erfahrung hat es der Werft ermöglicht, 2004 ein Hybridverfahren aus Injektion und Infusion zur Anwendung zu bringen: die Infujektion. Diese Arbeitsweise, die Hand in Hand mit dem Engagement der Werft für den Umweltschutz einhergeht, wird in einer geschlossenen Form angewendet. All diese Kriterien sind unter anderem gute Gründe, weshalb sich BootService Center Kirchheim/Teck, Heuckeroth & Nägele, dazu entschlossen hat, mit dieser international renommierten Werft zusammenzuarbeiten.

Fahreigenschaften

Maximal 85 kW (115 PS) genehmigt Bénéteau seinem Flyer 550 Sundeck, sich an den Spiegel zu hängen. Das ist sicherlich eine Motorobergrenze mit der man leben kann, dennoch, unser Testschlag mit einer Stufe niedriger – 74 kW (100 PS) – lässt Rückschlüsse darauf zu, dass dieser Flitzer auch mit Antriebsboliden von 110 kW (150 PS) nicht unbedingt überfordert wäre. Wie dem auch sei, ein Maximum an Speed von 63,7 km/h (34,4 kn) bei Volllast aus dem gut getrimmten Suzuki DF 100 herausgekitzelt, darüber kann wahrlich nicht gemeckert werden. Und die Geräuschentwicklung von 81 dB(A) direkt am Steuerstand waren mehr dem Wind und Wasser zuzuordnen, denn dem achterlichen Reihen-4-Zylinder.

Gerade mal knappe fünf Sekunden verstreichen, wird der Schalthebel aus ruhender Position „auf den Tisch“ gelegt bis sich die leicht anhebende Nase des „Fliegers“ bei eng an den Spiegel getrimmtem „Susi“ wieder nach unten neigt. Gleiten ist angesagt, 3.600 U/min signalisiert das dafür zuständige Messinstrument. Wir reiten mit 30,2 km/h (16,3 kn) das „Schwäbische Meer“ ab.

Jetzt geht es an die Feinarbeit. Den Trimm in der Einhebelschaltung gefühlvoll nach oben getastet, muss etwas zugelegt werden, da es sonst unter Umständen nur schwer vermeidbar ist, bei ungünstigen Wellenformationen ins schnelle Verdrängen abzusacken. Ergo, den DF ziemlich genau 4.000 Mal pro Minute um die Kurbelwelle schnurren lassen. Eine gute Entscheidung. 40,2 km/h (21,7 kn) verrät das Hand-GPS und deckt sich in seiner Aussage ziemlich exakt mit dem großen, fest installierten Bruder Lowrance HDS 7. Die Phonwerte dabei akzeptable 73 dB(A). Unterm Strich eine Fahrstufe, auf die man sich als dauerhafte Marschgeschwindigkeit festlegen kann.

Logisch, dass dabei die eine oder andere Welle mehr oder weniger schräg angefahren werden sollte, schließlich macht es wenig Sinn, im rechten Winkel bei einer Bootslänge über Alles von unter 5,50 Metern über Amplituden auslaufenden Heckwassers von Fährschiffen brettern zu wollen. Da fällt auch der ausgereifteste Rumpf irgendwann mal in ein Loch. Dennoch, mit zwei Personen an Bord und vollem 100-L-Tank, muss der Laufkultur dieser Bénéteau ein dickes Lob gezollt werden. Kursstabil und  leichtfüßig meistert der Rumpf die Wellenkämme. Dass damit das Potenzial des 100er Suzuki längst nicht ausgereizt ist, macht der Blick auf den Drehzahlmesser deutlich. In fünfhunderter Sprüngen nähern wir uns Vmax und erreichen so die 6.000er U/min-Marke mit 63,7 km/h (34,4 kn). Unter diesen Vorzeichen das Ruder spontan und hart gelegt, sei’s über Bb. oder Stb., legt sich die Bénéteau zwar mächtig auf die Backe, doch bei einer Freibordhöhe von etwa 80 Zentimetern kommt nie ein Gefühl der Unsicherheit auf.

Physikalischen Gesetzen Rechnung tragend, bleibt in diesem Fahrzyklus zwar ein Teil an Geschwindigkeit im engst gefahrenen Radius von etwa 1,5 bis zwei Bootslängen auf der Strecke, doch erfreulich dabei die Tatsache, dass sich keinerlei Kavitation am Propeller unangenehm bemerkbar macht. Dies gilt auch für die Spiegel marternde Tortur, aus ruhender Position bei vollem Rudereinschlag von deren fünf Umdrehungen – die Richtung kann hierbei vernachlässigt werden – die Gaszufuhr sukzessive bis ans Maximum zu steigern. Fast auf dem Teller dreht der Rumpf, die Scheuerleiste sucht den Kontakt zum nassen Element, Luftziehen achtern Fehlanzeige. Ein sicheres Zeichen für die perfekte Abstimmung und Zusammenspiel von Motor, Propeller und Boot.

Ausstattung und Verarbeitung

Wenden wir uns den „inneren Werten“ des Flyers zu. 5,45 m LüA, da wird kaum jemand einen Großraumtransporter erwarten. Dennoch, wer sich dieses handliche Bötchen einmal näher zur Brust nimmt, ist sicherlich verblüfft, was die Konstrukteure aus diesen begrenzten Möglichkeiten herausgekitzelt haben: Einen vollwertigen Daycruiser, der so manchem anderen, längeren Vertreter seiner Zunft, eine Nase macht.

Dabei sollte man sich nicht daran stören, dass der obere Teil des Unterdeckbereiches ausschließlich mit Topcoat gestrichen ist, ab der Gürtellinie, bzw. den Schapps in den seitlichen Wegerungen, geht es dann wieder hochglänzend zu. Die kleine Kabine macht’s möglich, ohne gekrümmten Rücken aufrecht zu sitzen und für zwei Personen wird aus dem Poster-V mit Einlegekeil ein brauchbares Doppelbett. Eine nach Stb. hinter dem Steuerstand verschwindende Schiebetür aus Plexiglas verschließt den Unterdecksbereich.

Im Cockpit dominieren zwei Teleskopschalensitze mit hervorragendem Seitenhalt, dreh- und in der Höhe verstellbar, deren Sitzflächen in Offshoreposition umklappbar. Der Steuerstand selbst, perfekt ergonomischen Anforderungen gerecht werdend, weist neben dem Flatscreenmonitor drei weitere analoge Anzeigeinstrumente auf, die Auskunft geben über Motordrehzahl, Trimmposition und Kraftstoffvorrat. Daneben diverse Kippschalter für Navibeleuchtung, Bilgenpumpe etc. Sicheren Halt für Fahrer und Copilot bietet der zusätzliche Handlauf auf der Innenseite der gut Wind abweisen Frontscheibe, vor der auch das Cockpitverdeck platzsparend  zu liegen kommt. Und schließlich auf dem Vorschiff die riesige Sonnenliege, darunter der geräumige Ankerkasten mit kleinem Spill, ringsherum gesichert durch eine optisch gut angepasste Reling.

Der achterliche Bereich des Cockpits wird ausgefüllt von einer dreiteiligen Sitzbank mit Innenleben wie Batterie, Kraftstofftank und Hauptschalter. Demontierbar deren Rückenlehnen-Mittelteil mit wenigen Handgriffen, wird somit die Motorwanne und Maschine leicht erreichbar. Dies kann auch bewerkstelligt werden über die seitlichen Badetritte neben dem Suzuki. Ordentliche Beschläge, Handlenzpumpe, eine solide Scheuerleiste und Wasserskiösen runden das positive Erscheinungsbild ab.

Mein Fazit:

Wer auf der Suche nach einem preiswerten, unproblematischen, sportlichen Familienflitzer im Daycruiser-Format ist, der wird mit der Bénéteau Flyer 550 Sun Deck auf jeden Fall keinen Fehlgriff tun. Ein solides, mit jedem Mittelklassewagen trailerbares Bötchen, das bei näherem Hinsehen deutlich mehr bietet, als vielleicht ein erster, oberflächlicher Eindruck zu vermitteln mag. Resümee: empfehlenswert.
Claus D. Breitenfeld
Bénéteau Flyer 550
Konstruktion/DesignBénéteau
HerstellerlandFrankreich
Motorisierung Test KW (PS):Suzuki DF 100 / 75 (100)
AntriebsartAußenborder
Preis Standard/Testschiff:12138,- (ohne Mot.) / ca. 36000,-
  • 5,45m
  • 2,43m
  • 0,35 / 0,75m
  • ca.1,60m
  • max. 85KW / max .115PS
  • GFK
  • 100l
  • Optional 50l
  • 850 (leer) / 1300 (Testgewicht)kg
  • C
  • 6
  • 1
  • 2